Feldstecher

Um erste Himmelsbeobachtungen zu unternehmen, ist gar kein großes Instrument nötig! Es genügt schon ein Feldstecher oder Operngucker, der fast in jedem Haushalt zu finden sein dürfte.
Der Vorteil eines Feldstechers ist, dass man mit beiden Augen beobachten kann und ein aufrechtes und seitenrichtiges Bild hat, was die Orientierung am Himmel erleichtert. Gegenüber einem Fernrohr hat das Fernglas ein wesentlich größeres Gesichtsfeld. Es ist auch leichter zu transportieren als ein Teleskop, man kann es deshalb fast immer auch zu Urlaubsreisen mitnehmen. Ein Feldstecher mit 50mm Öffnung hat schon das 50fache Lichtsammelvermögen des freien Auges. Das ist ein gewaltiger Sprung wenn man bedenkt, dass man ein Instrument mit einen halben Meter benötigt, um das 50fache Lichtsammelvermögen eines solchen Fernglases zu erreichen.
Meistens sind beim Feldstecher die Vergrößerung und der Durchmesser des Objektivs angegeben, z.B. 8×30, 7×50 oder 10×50. Manchmal ist auch das Sehfeld angegeben, z.B. 115m auf 1000m Entfernung. Wenn ein Fernglas keine Angaben hat, können diese leicht selbst errechnet werden: Zum Berechnen der Vergrößerung wird der Durchmesser des Objektivs und die Austrittspupille gemessen. Dazu richtet man den Feldstecher gegen eine helle Wand und misst hinter dem Okular den runden Lichtaustritt mit der Schieblehre. Angenommen, wir haben an einem Fernglas mit einem 50er Objektiv 5mm gemessen, dann setzen wir die Werte in folgende Formel ein:
Öffnung : Austrittspupille = Vergrößerung
50mm : 5mm = 10fach

Um das Sehfeld zu ermitteln kann man einen Zollstock in 10m Entfernung betrachten und den Wert ablesen, der ins Gesichtsfeld passt. Sind dies z.B. 105cm, so ergibt es auf 1000m eben 105m. Für den Himmelsbeobachter ist aber die Angabe des Sehfeldes in Grad wesentlich anschaulicher. Dazu braucht man nur das Sehfeld durch 17,5 zu dividieren, also:
105m : 17,5 = 6°

Mit diesen Werten kann auch das scheinbare Gesichtsfeld des Okulars ermittelt werden:
Sehfeld × Vergrößerung = scheinbares Gesichtsfeld Okular
6° × 10 = 60°

Leider sind Feldstecher mit Weitwinkelokularen (= großes scheinbares Gesichtsfeld) meistens auch teurer...
Wer sich einen Feldstecher zur Himmelsbeobachtung anschaffen will, sollte einige wichtige Dinge beachten. Ein Objektiv mit 50mm hat schon das dreifache Lichtsammelvermögen gegenüber einem solchen mit 30mm. Deshalb wäre für astronomische Beobachtungen ein Feldstecher mit 50mm Öffnung vorteilhafter. Beim 10×50 ist die Vergrößerung höher und der Himmelshintergrund etwas dunkler als bei einem 7×50, dafür ist ein kleineres Gesichtsfeld vorhanden. In verschiedenen Publikationen kann man lesen, dass sich bei älteren Menschen die Pupille nur mehr 5mm öffnet und ein 7×50 bei einer Austrittspupille von 7mm deshalb wenig Sinn hat. Dazu ist zu sagen, dass Messungen ergaben, dass viele ältere Menschen durchaus eine Pupillenöffnung von 7mm erreichen können.
Als weiteres sollte auf eine gewisse Qualität geachtet werden. Der Billigbereich ist deshalb zu meiden! Wer ein eingeschränktes Budget hat, sollte sich dann lieber ein solides Glas vom Gebrauchtmarkt besorgen. Es gibt Ferngläser, bei denen jedes Okular einzeln fokussiert wird. Diese sind mechanisch robuster, zur Tagbeobachtung ist es aber komfortabler, wenn beim Fokussieren beide Okulare gleichzeitig mit einem Treibrad verstellt werden können. Bei Ferngläsern mit Weitwinkelokularen sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass der Rand auch noch genügend scharf abzeichnet.
Leider ist mit geradsichtigen Ferngläsern die Himmelsbeobachtung in Zenitnähe etwas unbequem. Auch die Freihandbeobachtung hat Nachteile, da man ein mehr oder weniger wackliges Bild hat. Deswegen sollte man den Feldstecher auf ein Stativ stellen. Der richtige Sehgenuss stellt sich eben erst ein, wenn das Bild absolut ruhig steht und die Sterne als Nadelpunkte erscheinen.

Neben den Ferngläsern, die mit Porro-Prismen ausgestattet sind, gibt es noch die Dachkant-Gläser. Diese haben eine kompaktere Bauweise, für die Himmelsbeobachtung ergeben sich allerdings keine Vorteile. Sie sind in der Regel auch teurer.

Mittlerweile werden bildstabilisierte Ferngläser angeboten, die auch eine höhere Vergrößerung haben. In der Hand gehalten hat man ein wackelfreies Bild. Wer sich diesen Luxus leisten will, muß allerdings tief in die Geldbörse greifen.

Hier noch ein paar Hinweise, auf die Sie beim Kauf achten sollten: In der mittleren Preisklasse kann man schon eine vergleichsweise gute Qualität finden. Selbstverständlich muß es einwandfrei justiert sein und darf keine Doppelbilder ergeben. Achten Sie auf ein komfortables Einblickverhalten. Besonders sollte man darauf achten, dass sich die Okulare nicht schon durch einfachen Fingerdruck bewegen lassen, leider ist die Brücke mit dem Okularhalter gelegentlich aus Kunststoff hergestellt. Nach Möglichkeit sollte ein Gewinde zur Befestigung an ein Fotostativ vorhanden sein. Beim direkten Vergleich von Ferngläsern in den verschiedenen Preisklassen kann man Brillanz, Kontrast, Farbreinheit, Randschärfe usw. miteinander vergleichen. Man kann gelegentlich sehen, dass wesentlich teurere Gläser nicht immer auch besser sein müssen.

Nächte können mitunter recht feucht sein und das Objektiv beschlägt dann mit Tau. Es darf dann jedoch keinesfalls abgewischt werden - das würde hässliche Schlieren hinterlassen, die nur schwer wieder entfernt werden können. Beschlagene Objektive müssen deshalb langsam abtrocknen, man kann eventuell mit einem Haarfön etwas nachhelfen. Gegen Taubeschlag hilft eine Taukappe, die ca. die doppelte Länge des Durchmessers hat. Diese ist recht einfach aus Pappe herzustellen.
Mit der Zeit können sich auf dem Objektiv Flecken oder andere Verschmutzungen ansammeln. Beim Abwischen geht man allerdings das Risiko ein, das Objektiv zu verkratzen. Wegen ein Paar Flecken sollte deshalb nicht gleich zum Reinigungstuch gegriffen werden. Erst wenn eine größere Verschmutzung vorliegt, kann man eine vorsichtige Reinigung wagen. Die Objektive sind mit einer Vergütungsschicht überzogen, die gegen chemische Einflüsse relativ resistent ist; eine Garantie dafür gibt es aber nicht. Man versucht mit einem weichen Lappen der mit destilliertem Wasser getränkt ist, das Objektiv sauber zu bekommen. Eventuell kann auch etwas Spülmittel dazugegeben werden, es ist aber darauf achten, dass keine Flüssigkeit zwischen die Verkittung der Objektive gelangen kann. Danach wird mit einem Tuch trockengewischt, wobei sich Mikrofasertücher besonders gut eignen. Bei hartnäckigen Flecken kann man es mit diversen Brillenputzmitteln, Azeton oder Alkohol versuchen - aber wie schon gesagt, eine Garantie für die Vergütung gibt es nicht! Sind danach immer noch Flecken auf der Linse, sollten diese einfach ignoriert werden. Und wurde das Objektiv beim Reinigen mit einem Kratzer "verziert", braucht deswegen nicht gleich Panik ausbrechen. Man tröste sich damit, dass diese - genauso wie Flecken auf der Linse - während der Beobachtung eh nicht zu erkennen sind.
Verschmierte Okulare machen sich allerdings in der Abbildungsqualität schnell bemerkbar. Das Okular ist nahe am Auge - Brillenträger können den Effekt einer unsauberen Brille sicher bestätigen. Das Okular sollte deshalb gelegentlich saubergewischt werden, wobei sich Mikrofasertücher recht gut bewährt haben.

Großfeldstecher
Zu den Großfeldstechern zählen solche mit einer Öffnung von 80mm bis 150mm. Es gibt sie mit geradem, 45° und 90°-Einblick. Die beiden letzteren mit dem Schrägeinblick sind für Himmelsbeobachtungen komfortabler. Allerdings kann man für den Preis eines Großfeldstechers mit 100mm Objektiven schon ein recht schönes Teleskop bekommen. Es ist eben ein gewisser Aufwand an Mechanik und Prismen nötig, um ein aufrechtes und seitenrichtiges Bild zu haben, das sich auch im Preis niederschlägt. Da die Großfeldstecher nicht mehr freihändig gehalten werden können, ist ein Stativ nötig. Die Möglichkeit der Montage sollte man deshalb schon vor dem Kauf hinterfragen.

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