Ein paar Gedanken zum Testen von Amateurteleskopen

"Geht man in der Amateur-Literatur publizierte Instrumenten-Testberichte durch, dann stößt man vielfach auf unpräzise und nichtssagende Begriffe, dilettantische Beschreibungen, die Unkenntnis elementarer physikalischer Sachverhalte, Fehlinterpretationen von Mängeln, und kaum auf technisch konkrete Hinweise für Verbesserungen." Diese Worte von Herwin G. Ziegler [1] können durchaus nachdenklich stimmen.

In allen möglichen Fachzeitschriften werden Produkte getestet und bewertet. Alles nur mögliche fällt darunter: Autos, Haushaltsgegenstände, Computer, Software... In der Regel arbeiten die Tester in einem Team und sind ausgewiesene Fachleute. Die Hersteller müssen es sich gefallen lassen, dass ihre Produkte getestet werden - egal wie der Test ausfällt.

Auch Amateurastronomen erwarten Testberichte, welche ihn objektiv informieren. Er will sehen, welche Qualitäten das Instrument hat und welche Vorteile es z.B. gegenüber einem anderen Produkt hat. Er erwartet natürlich auch, dass Schwachstellen und Mängel genannt werden. In den diversen Astroblättern kann man auch immer wieder Tests finden. Welche Qualität haben diese Tests? Ist es tatsächlich so wie es Herr Ziegler im obigen Zitat beschreibt? Beim Durchlesen solcher Berichte sollte man also durchaus etwas kritisch sein. Je nach dem, wieviel Erfahrung man selbst gesammelt hat, wird man also auch die Qualität des Artikels beurteilen können.

Nehmen wir nur mal folgenden Fall an: Das eine Mal wird eine Montierung von einem visuell beobachtenden Sternfreund und das andere Mal von einem Astrofotografen getestet. Daraus können durchaus zwei verschiedene Berichte zustande kommen. Beide Leute haben zwar ähnliche Erfahrung im Umgang mit dem Instrument, der visuelle Beobachter setzt aber wieder andere Kriterien an eine Montierung als der Astrofotograf. Solche Tests sind also im Grunde nur subjektive Erfahrungsberichte. Sollte ein objektiver Test stattfinden, müssen also die Testkriterien klar definiert sein. Bei einem richtig durchgeführten Test sollte die Qualität der getesteten Produkte dann also wieder direkt miteinander vergleichbar sein. Es darf natürlich nicht angehen, dass einmal ein wackelnder Okularauszug nur als schlichter Schönheitsfehler kaschiert wird und das andere Mal stuft man ihn als krassen Mangel ein. Oder wenn jemand sein Trauminstrument “testet”: Da wird derjenige wohl kaum auf die Idee kommen, sein für viel Geld erworbenes Stück hart kritisieren zu wollen. Entweder ist das “Trauminstrument” tatsächlich nahezu perfekt oder dem Autor könnte man mangelndes Fachwissen ankreiden. Ein Bericht, bei dem das Gerät im allgemeinen nur Lob erfährt und nur unwesentliche Kritikpunkte erwähnt werden, sind für Händler und Hersteller natürlich angenehm. Es kann peinlich sein, wenn ein Instrument vom Prüfer in ein schlechtes Licht gerückt wurde und ein paar Seiten weiter wird das selbe mit wohlklingenden Werbesprüchen überschüttet. Dass ein Gerät beim Test total durchfällt, liest man eher selten. Oder ist es gar so, dass die Prüfung bei groben Mängeln schon vorher abgebrochen wird und der Öffentlichkeit deshalb vorenthalten wird?

Die Problematik mit den Instrumententests ist dem Fachgruppenleiter (und vielen anderen Leuten natürlich auch) bekannt. Um einen objektiven Test durchzuführen, bedarf es nicht nur einer entsprechenden fachlichen Qualifikation des Testers, es müssen eben auch die Testkriterien klar definiert sein! Doch leider gibt es keine Institution, die solche Testkriterien festlegt. Was könnte man also tun, um auch im Instrumentenbereich den Lesern kompetente, seriös und objektiv geschriebene Testberichte über Amateurteleskope anzubieten?

Eine Möglichkeit wäre, wenn eine Gruppe engagierter Amateurastronomen mit Erfahrungen in der Instrumentenkunde und im Schreiben von Testberichten sich in Form einer Fachgruppenarbeit mit dem Testen von Amateurteleskopen befasst und solche Testkriterien festlegt. Auch eine Benotung wie "1" für "sehr gut" und "5" für "mangelhaft" - wie dies z.B. bei der Stiftung Warentest praktiziert wird - wäre denkbar. Die Fachgruppe Amateurteleskope/Selbstbau könnte zur Durchführung eines solchen Projekts durchaus in der Lage sein, wenn eben auch die entsprechenden Leute mitmachen wollen.
Eines sollte aber schon von Anfang klar sein, um Herwin G. Ziegler noch mal zu zitieren: "Seriös durchgeführte Instrumententests sind sehr zeitaufwändig. Es sind ja nicht nur die Untersuchungen und das Manuskript selbst, es können noch eine Unmenge anderer Nebenarbeiten dazu kommen. Auch die Korrespondenz mit Händlern, Herstellern und Sternfreunden kann einen gewissen Umfang an Arbeit darstellen..."

[1] H.G. Ziegler: Instrumente testen - aber wie?  SuW 12/2001

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