2"-Okularauszug mit Motorfokus im Selbstbau

von Herbert Zellhuber

"Motorfokus", wird so mancher sagen, "brauch ich nicht! Ist auch viel zu teuer!" Nun, ich hätte auch kein Interesse daran gehabt, hätte ich nicht einen Elektromotor mit Untersetzungsgetriebe von einem Bekannten geschenkt bekommen. Das Material für den Auszug stammt ausnahmslos aus Schrottkisten und konnte für den Gegenwert von ein paar Halben Bier eingetauscht werden. Am teuersten waren die vier Edelstahl-Kugellager (Einzelpreis 8,95 DM). Die Teile wurden auf meiner Hobbydrehbank mit Fräsaufsatz bearbeitet.
Wer einen solchen Okularauszug noch nicht in der Hand gehabt hat, dem will ich kurz das Funktionsprinzip erklären: Ein Rohr läuft auf vier Kugellagern. Auf der Gegenseite ist außen eine 12mm breite Fläche gefräst. Eine 5-mm-Welle drückt darauf und beim Drehen des Treibrades wird das Rohr axial verschoben - absolut spielfrei. Der Anpressdruck kann mit einer Messingschraube eingestellt werden, welche die Welle mehr oder weniger auf das Rohr drückt. Die Grundplatte habe ich aus einer 10er Aluplatte ausgesägt. Die große Bohrung wurde mit Hilfe der Plandrehscheibe ausgedreht. Darauf wurde der Gegenhalter mit den vier Kugellagern und das Werkstück mit der Antriebswelle mit jeweils zwei M5-Innensechskantschrauben montiert. Das Edelstahlrohr hat einen Außendurchmesser von 60 mm und eine Wandstärke von 2 mm. Es hat also noch eine Hülse Platz, auf die vorne ein Filtergewinde geschnitten ist. Man braucht dann beim Okularwechsel nicht auch noch das Filter umschrauben. Die Fläche auf der die Welle läuft, muss exakt mit der Feile bearbeitet werden. Bei ganz geringem Anpressdruck muss sich die Hülse gleichmäßig von Hand hin- und herschieben lassen.
Nun zum Motorfokus: Der Motor nimmt bei 6 V (vier Mignonzellen) 50 mA auf und die Ausgangswelle (Ø 5 mm Edelstahl) dreht sich dabei drei Mal pro Minute. Selbstverständlich kann man den Okularauszug auch manuell betätigen. Man braucht zum Auskuppeln nur das Treibrad 7 mm herausziehen, der Zapfen greift dann nicht mehr in den Mitnehmer (Bild links).
Batterien, Motor und Getriebe befinden sich unterm Blechgehäuse. Die Batterien betreiben zusätzlich die LED des Peilsuchers. Aus dem Gehäuse führt ein 45 cm langes dreiadriges Kabel, an dessen Ende sich ein Zweifach-Umschalter mit Tastfunktion befindet. Damit alles nicht lose am Fernrohr baumelt, wurde ein Klettverschluss an Schalter- und Blechgehäuse geklebt. Dieser Okularauszug ist auf meinem 8" f/6-Newton montiert und hat sich bisher bestens bewährt. Es macht schon Spaß, wenn man bequem im Beobachtungsstuhl sitzt, die automatische Nachführung laufen lässt und durch einfachen Fingerdruck das Objekt scharf stellt, ohne auch nur das geringste Zittern wahrzunehmen.

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