Meine Erfahrungen beim Anbau eines Mikroskop-Binoansatzes an ein Newtonteleskop

von Herbert Zellhuber

Auf dem Flohmarkt beim BTM 2000 wurde mir ein Mikroskop-Binoansatz der Firma Zeiss für 150 DM angeboten. Ich kaufte ihn sofort, aber ob es wirklich ein Schnäppchen war, musste sich erst noch herausstellen. Wieder zu Hause angekommen, wollte ich ihn natürlich gleich ausprobieren. Ich schraubte den 45°-Anbau und den Glaswegkorrektor ab, welche nur für das Mikroskop benötigt werden und drehte mir zwei Aufnahmen für 1¼"-Okulare. Um den Lichtweg möglichst kurz zu halten, wurde an jedem Millimeter gegeizt und deshalb sogar die Steckhülsen am Okular etwas gekürzt. Außerdem fertigte ich einen 1¼"-Anschluss, der anstelle des Glaswegkorrektors eingeschraubt wird. Dann konnte der Test beginnen. Ich setzte ihn an den 80/500-Refraktor und der erste Blick war recht zufriedenstellend. Der Binoansatz war gut kollimiert und ich konnte feststellen, dass man die 26er Plössl verwenden kann, ohne dass eine Vignettierung sichtbar wäre. Bei den 32 mm Okularen musste ich allerdings - wie schon erwartet - erkennen, dass diese nicht mehr ganz bis zum Rand hin ausgeleuchtet werden. Dann musste ich überlegen, wie der Ansatz an den Achtzöller befestigt wird. Mein bisheriger Auszug war für diesen Zweck ja zu hoch, der Fokus liegt hier 65 mm über dem Tubus. Es kommt eigentlich nur ein Okularschlitten in Betracht. Ich kramte aus meiner "Schatztruhe" (manche sagen auch Schrottkiste dazu) ein paar Schienenlager (siehe Bild 1) hervor, die ich früher mal aus einem Filmschneidegerät ausschlachten konnte. Nun ging die Rechnerei los: Das Bino hat einen Lichtweg von 90 mm plus die 10 vom Okularschlitten, das sind insgesamt 100 mm. Ich möchte damit natürlich auch weiterhin "Mono" beobachten können. Ziehe ich von den 100 mm die 65 ab, so erhalte ich 35 mm Verstellweg. Die Schienenlager hatten aber nur 26 mm. Ich kürzte deshalb die Rollenkäfige um 12 mm, (die Belastung ist nun ja wesentlich geringer als bei einem Filmschneidegerät) dann waren es 50 mm. Das genügt, es konnte auch der bisherige Fangspiegel weiter verwendet werden (eine Faustregel besagt, dass bei der visueller Beobachtung die Abschattung des Fangspiegels im Durchmesser nicht wesentlich über 20% des Hauptspiegels liegen sollte; in diesem Fall hat der Fangspiegel 40 mm). Somit konnte ich feststellen, dass beim Binoansatz ein Durchmesser von 4 mm zu 100% ausgeleuchtet, am Rand sind es aber immerhin noch mehr als die Hälfte des Hauptspiegels. Beim monokularen Beobachten, wenn also der Schlitten in vorderer Stellung steht, sind es 9 mm, wobei der Rand eines 30er 2"-Okulars ebenfalls gut zur Hälfte ausgeleuchtet wird (wem das mit der 100%-Ausleuchtung usw. noch nicht so recht klar sein sollte, kann das auf meiner Seite "Tipps fürs Newton-Teleskop" nachlesen).
Nun machte ich eine maßstabsgetreue Konstruktionszeichnung des Okularschlittens und begann mit der Herstellung. Den Schlitten sägte ich mir aus einer 10er Aluplatte zurecht und die mittige Bohrung stellte ich mit Hilfe der Plandrehscheibe auf der Drehmaschine her. Für den Anschluss des Binoansatzes drehte ich ein passendes Teil, welches auf den Schlitten drehbar und mittels zweier Rändelschräubchen montiert werden kann. Ein ähnliches Drehteil fertigte ich für die 2"-Hülse fürs monokulare Sehen. Die Seitenteile sägte ich aus 8er Aluplatten heraus. Nachdem diese passend zurechtgefeilt waren, wurden die Teile sorgfältig ausgerichtet und miteinander verschraubt, wobei wichtig war, dass die Schienenlager sauber parallel zueinander laufen können. Die Teile wurden dann zusätzlich miteinander verstiftet und somit ergab sich eine recht verwindungssteife Konstruktion. Die vielen Innensechskantschrauben erinnern vielleicht etwas an den Tankverschluss eines Düsenflugzeugs, aber das nehme ich einfach mal hin.


Mit diesem Okularschlitten kann der Mikroskop-Binoansatz sowie Einzelokulare verwendet werden.

Dann wurden die Schienenlager montiert. Sie werden mit Hilfe von Justier- und Anschlagschrauben parallel ausgerichtet, was man mit einer geklemmten Schieblehre recht genau kontrollieren kann. Das Einstellen der Lager brachte mich Anfangs schier zur Verzweiflung. Wie sehr ich mich auch bemühte, irgendetwas klemmte einfach. Erst als ich das Lager wieder auseinander baute, fand ich den Fehler: Eine Rolle legte ich verkehrt ein und diese drückte dann gegen den Käfig. Nun denn, danach lief es. Mit ein paar Tröpfchen Öl lassen sich die Schienen butterweich bewegen. Die Lager werden leicht vorgespannt und sind deshalb spielfrei. Die Fokussierung geschieht mit einer Rändelmutter. Damit wird eine Stange verschoben, auf die ein Gewinde geschnitten ist und den Schlitten bewegt. Zur Schnellverstellung kann die Stange durch eine Rändelschraube gelöst und der Schlitten verschoben werden. Die Fangspiegeleinheit ist am Schlitten mit zwei Streben befestigt (Bild 4). Im Bild sind die Streben erst noch sandgestrahlt, später wurden sie noch mit mattschwarzer Farbe betupft. Zuerst hatte ich nur eine Strebe montiert (Bild 5). Das hat sich aber nicht bewährt, da diese Konstruktion wesentlich schwingungsempfindlicher ist.
Den Fangspiegel klebte ich mit Silikon an, das nach Erfahrung mehrerer Selbstbauer eine erstaunlich sichere Verbindung darstellt. Das Silikon braucht allerdings nicht auf die gesamte Fläche des Fangspiegels aufgetragen werden, es genügen vier Punkte. Bei verschiedenen Temperaturen darf sich der Fangspiegel jedenfalls nicht verziehen. Danach konnte der Okularschlitten am Tubus angeschraubt und justiert werden. Natürlich überzeugte ich mich zuvor noch am Mond, dass der Abstand auch genau stimmt. Eine Woche später konnte ich den Binoansatz an einigen Deep-Sky-Objekten testen. Das Ding ist Klasse, ich bin begeistert! Die wochenlange Bastelei hat sich gelohnt. Der Binoansatz war es, der mir am Achtzöller noch fehlte! Das Beobachten mit einem Auge habe ich mir allerdings nicht abgewöhnt. Eine gewisse Menge Licht geht durch die Prismen eben verloren. Bei schwachen Objekten im Grenzbereich - z.B. sehr schwachen Galaxien - konnte ich feststellen, dass sie mit dem Binoansatz nicht zu sehen sind. "Mono" bei gleicher Vergrößerung waren diese aber durchaus zu erkennen! Ein deutliches Beispiel war die Galaxie NGC 891. Bei monokularer Betrachtung war das Staubband blickweise immer wieder sichtbar, mit dem Binoansatz konnte es jedoch nicht gesehen werden. Vor der Eintrittsöffnung des Binoansatzes können auch Filter aufgeschraubt werden. Dabei machte ich die Erfahrung, dass ein UHC-Filter bei relativ hellen Objekten wie dem Zirrus- und dem Rosettennebel recht gute Ergebnisse bringt. Mit dem OIII- und H-Beta-Filter stellte ich fest, dass diese in Verbindung mit dem Binoansatz nicht so vorteilhaft sind und schon recht stark abdunkeln. Objekte an der Wahrnehmungsgrenze, wie z.B. IC 443 im Zwilling waren monokular mit dem OIII-Filter durchaus zu erkennen; im Binoansatz mit gleichem Filter jedoch nicht. Das selbe gilt für den Pferdekopfnebel mit dem H-Beta-Filter. Der Vorteil des Binoansatzes ist eben das komfortable und entspannte Beobachten. Das Beobachten im Grenzbereich ist nach wie vor dem monokularen Sehen vorbehalten.

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