Das typische Einsteiger-Teleskop: Der Refraktor 90/900 Bresser Messier mit der Montierung MON-1

von Herbert Zellhuber

Abb. 1: Der Refraktor Bresser Messier 90/900

In einer mehrteiligen Serie werden nun einige typische Einsteiger-Teleskope vorgestellt, als erstes der Refraktor 90/900 Bresser Messier zum Preis von 225 € (März 2009). Bei der Abholung stand ein Paket mit 38x43x9cm und einem Gewicht von 20 kg bereit. Eine ausführliche Betriebsanleitung in deutscher und englischer Sprache war beigelegt. Mich überraschte, auch noch eine Rotlicht-LED-Leuchte, das Planetarium-Programm "Cartes du Ciel", eine kleine drehbare Sternkarte, eine kleine Mondkarte und eine Teleskop-Fibel für Einsteiger vorzufinden.

Abb. 2: Das eingeklappte Dreibein mit der MON-1

Das Dreibein ist eine solide Rohrkonstruktion mit einem Gewicht von 4,5 kg. Nach dem Aufspreizen der Beine wird die Montierung angeschraubt. Danach klemmt man die Okularablage mit der Rändelmutter. Durch das Ausziehen der drei Stahlrohre kann eine Höhe zwischen 63 und 105 cm eingestellt werden. Allerdings sollten die beiden Feststellschrauben gut angezogen sein, sonst könnte sich das Rohr "schleichend" einschieben und das Dreibein würde umkippen. Meiner Ansicht sollte man die Montierung am Dreibein angeschraubt zu lassen, auch wenn beides zusammen 8 kg wiegt (Abb. 2). Die Schraube kann bei der Montage im Alugehäuse leicht verkanten und das Gewinde verderben (wer schon mal ein Zündkerzengewinde ruiniert hat, weiß wovon ich spreche). Das Dreibein machte auf mich einen guten Eindruck und ist dem Gewicht von Montierung, Optik und Gegengewicht von insgesamt 8 kg gewachsen.

Abb. 3: Die Messuhr ist in diesem Falle unbestechlich, die Gegengewichtstange hat 4 mm Spiel.

Die Polhöhe der parallaktischen Montierung MON-1 kann an einer Skala abgelesen werden, mit zwei Schrauben wird die Feineinstellung vorgenommen. Eine Klemmschraube dient dabei der Arretierung. Mit zwei weiteren Schrauben kann die Azimutstellung justiert werden. Pol- und Dec-Achse können mit einem Hebel geklemmt werden und haben ein Schneckengetriebe, hier kann eine biegsame Welle angeschlossen werden. Die Montierung ist mit Polsucher und Antriebsmotoren aufrüstbar. Die Gegengewichtstange mit Durchmesser 14 mm ist einziehbar. Allerdings hat diese Stange erhebliches Spiel, vorne stellte ich satte 4 mm fest (Abb. 3). Den Erstbenutzer wird dieses große Spiel wahrscheinlich ziemlich erschrecken. Üblicherweise sind Gegengewichtstangen angeschraubt, da gibt es auch kaum Probleme. Als nächstes fiel mir auf, dass die Montierung mit einem ziemlich zähen Fett geschmiert ist. Besonders wenn die Temperatur unter den Gefrierpunkt fällt, lässt sich das Fernrohr nur noch sehr träge schwenken. Auffällig war auch, dass der Anschluss der biegsamen Wellen mit einer Feile nachgearbeitet werden musste (Grat am Gewinde), damit sich diese auf die Messingwellen schieben ließen ohne beschädigt zu werden. Die Montierung hat keine Probleme mit dem Gewicht von Tubus und Gegengewicht (4,5 kg).
Das Fernrohr lässt sich mit Hilfe einer Prismenschiene an der Montierung anschließen. Da die gerundete Schraube direkt gegen die Lackschicht drückt, entstehen dort schon gleich etwas unschöne Druckstellen. Ebenfalls fiel auf, dass es der Rohrschelle an Steifigkeit fehlt. Bei genauerer Betrachtung sah ich, dass die Aluminium-Prismenschiene an der Kunststoff-Rohrschelle nicht richtig verschraubt war. Nachdem die Schrauben richtig angezogen waren, stellte ich den nächsten Mangel fest: Der Klebefilz war zu dünn und hielt deshalb den Tubus nicht richtig, dadurch könnte sich sogar das Rohr verschieben. Ich behalf mich mit einem Streifen 0,6-mm-Pappe, den ich um das Rohr wickelte. Nun war auch diese Wackelei eingedämmt.

Abb. 4: Auch am Okularauszug lässt sich die Wackelei zweifelsfrei mit 1,5 mm definieren.

Dann nahm ich die Optik 90/900 näher unter die Lupe. Sofort fiel auf, dass das Auszugsrohr recht großes Spiel aufwies. War der Auszug ganz ausgefahren (125 mm), zeigte die Messuhr auf 1,5 mm (Abb. 4). Beim Beobachten mit Zenitspiegel ist das Rohr zwar nur 40 mm ausgefahren, die Messuhr zeigte aber immerhin noch 0,3 mm Spiel an. Das Rohr besteht übrigens aus Kunststoff, es ist nur eine Metallschicht aufgedampft. Die Justage wurde bei ganz eingefahrenem Auszug mit dem Chesire überprüft. Sie war zwar nicht perfekt, lag aber auch nicht weit daneben. Allerdings könnte die Justage auch gar nicht korrigiert werden, da sowohl das Objektiv als auch der Okularauszug fest mit dem Tubus verschraubt sind. Auffällig war auch, dass die 100%-Ausleuchtung nur 15 mm beträgt. Das liegt daran, dass der 1,25"-Okularauszug das Bild vignettiert. Um ein größeres Feld vollständig auszuleuchten, müsste eben ein 2"-Auszug angebracht sein (was das Ganze jedoch auch verteuern würde).

Abb. 5: Die Abbildungsqualität kann vorab schon mal mit der Prüftafel und künstlichem Stern bzw. Doppelstern geprüft werden.

Nun prüfte ich das Instrument an der Prüftafel und am künstlichen Stern bzw. Doppelstern (Abb. 5). Schon der erste Blick ließ ein flaues Bild erkennen. Der Blick ins Innere des Okularauszugs offenbarte eine stark reflektierende Innenwand. Hier braucht man sich also nicht wundern, wenn Geisterbilder in der Nähe heller Sterne oder Planeten im Okular auftauchen. Außerdem störten bei hoher Vergrößerung am künstlichen Stern Lichtausbrüche an den Beugungsringen. Ich beschloss deshalb, das Auszugsrohr auszubauen, um probehalber das Rohrinnere mit einer Rolle schwarzem Tonpapier auszukleiden. Prompt verbesserte sich die Abbildungsqualität und 180fach konnte am künstlichen Doppelstern das theoretische Auflösungsvermögen von 1,5" erreicht werden. Auch die Lichtausbrüche an den Beugungsringen waren nun verschwunden.
Das Gerät ist mit einem Sucher 6×30 ausgestattet, der mit sechs Schrauben justierbar ist. Die Mittenschärfe ist gut, eine Randunschärfe ist vorhanden aber vertretbar. Das Tubusinnere ist blank und ruft deshalb ebenfalls Reflexionen hervor, auch hier würde schwarzes Tonpapier Abhilfe schaffen. Die Scharfstellung geht über die Objektiv-Verschraubung, allerdings ist beim Fadenkreuz keine Fokussierung möglich.
Es sind drei 1,25"-Okulare mit den Brennweiten 10, 15 und 25 mm beigelegt, was einer Vergrößerung von 36fach, 60fach und 90fach entspricht. Die "Noname"-Okulare nach Plössl haben ein Gesichtsfeld von ca. 50°. Die Mittenschärfe ist gut und die Randunschärfe akzeptabel. Bei Nacht bieten sie ein angenehmes Einblickverhalten. Eine achromatische 2fach Barlow-Linse ist ebenfalls dabei. Die Fassung besteht aus Kunststoff, die Abbildungsqualität ist aber gar nicht mal so übel - zumindest blickte ich schon durch wesentlich schlechtere. Ich benutzte sie mit dem 10er Okular am künstlichen Doppelsterne bei 180fach.
Bei Beobachtungen am Nachthimmel entspricht die optische Leistung den Geräten in dieser Größen- und Preisklasse. Am Mond war zwar "Farbe" zu sehen, machte sich aber nicht besonders störend bemerkbar. Als das Innere des Okularauszugs noch nicht mit schwarzem Tonpapier ausgelegt war, konnten beim Anpeilen der Venus deutliche Geisterbilder gesehen werden. Schade dass der Okularauszug und die Gegengewichtstange ziemlich wacklige Geschichten sind somit kein so gutes Gesamturteil zuließen. Obwohl das Spiel des Okularauszugs recht deutlich ist, waren keine Abbildungsfehler auffällig. Ebenso hatte bei der visuellen Beobachtung die wackelnde Gegengewichtstange keine direkten Auswirkungen. Für einen erfahrenen Amateurastronomen wären die Nacharbeiten (schwarzes Tonpapier im Okularauszug, Schrauben an der Rohrschelle nicht korrekt angezogen, zu dünner Klebefilz) kein Problem, von einen Einsteiger wird man das aber in der Regel nicht erwarten können. Um einen spielfreien Okularauszug zu erhalten, wäre der Aufwand allerdings höher. Durch geschicktes Anbringen von dünnen Teflonstreifen wäre aber auch dieses Problem lösbar.
Die Gerätschaften wurden freundlicherweise von der Firma Astroshop.de zur Verfügung gestellt.

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