Dreidimensionales Sehen und 3-D-Sternhaufen selber zeichnen

von Herbert Zellhuber

Als erstes möchte ich darauf hinweisen, dass das Betrachten von dreidimensionalen Bildern nicht jedem auf Anhieb gelingt. Zum Teil ist erhebliche Konzentration und Willenskraft nötig, zwei Bilder so zu betrachten, dass diese als räumlich gesehen werden können. Sie werden auch verstehen, dass von meiner Seite keinerlei Verantwortung übernommen wird, falls bei jemand nach diesen hier beschriebenen Anweisungen zum 3-D-Sehen Kopfschmerzen, Schwindelgefühle oder ähnliche Beschwerden auftreten.

Um das dreidimensionale Sehen besser zu verstehen, wollen wir uns erst mal mit dem Sehen mit nur einem Auge befassen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich mal wegen einer Augenverletzung zum Augenartz mußte. Nachdem der kleine Stahlplitter aus dem Auge entfernt war, wurde mir eine Augenbinde angelegt und ich konnte nur noch mit einem Auge sehen. Da sah ich, dass die Orientierung weit schwieriger ist als mit beiden Augen. Den Versuch mit dem Rad nach Hause zu fahren, ließ ich daraufhin besser sein und schob das Rad. Das Fahren mit dem Auto ist mit nur einem Auge eine ziemlich riskante Angelegenheit und sollte unbedingt unterbleiben!

Als ich vor einigen Jahren mal wieder das Deutsche Museum in München besuchte, war ich auch in der Abteilung "Landvermessung". Wenn man sich für die dreidimensionale Fotografie interessiert, sollte man unbedingt diese Abteilung in Ruhe ansehen. Dort kann man auch etliche 3-D-Bilder betrachten und erfährt Hintergrundwissen. Im Museumsladen fand ich dann das Buch "Das Stereoskop". Auch dort ist viel Hintergrundwissen zu finden, außerdem hat es eine Bauanleitung für ein Stereoskop.


Ich baute mir ein solches in einer sehr vereinfachten Form nach, siehe Bild oben. Es ist mit zwei Objektiven 1:2,8/85 aus Diaprojektoren (fand ich mal im Sperrmüll) bestückt. In die Sperrholzplatte sägte ich zwei Löcher im Abstand von 65mm, das meinem Augenabstand entspricht. Mit den vier Gewindestangen wird die Schärfe eingestellt (fokusssiert). Links davon sind zwei Objektive 1:2,8/145 - damit kann ein größeres Gesichtsfeld überblickt werden. Meine ersten Versuche machte ich mit zwei Fotos, wobei ein Bild seitlich ca. 10cm versetzt aufgenommen wurde. Mir gelang es mit ein wenig Übung recht schnell, damit richtige dreidimensionale Bilder zu erkennen.

Nach einigen Jahren sah ich dann in der Zeitschrift "Astronomie Heute 3/2004" einen interessanten Artikel über "Akira Inakas 3-D-Universum". Darin sind Astrofotos abgebildet, die man dreidimensional betrachten kann. Ich war überrascht, dass man zum Betrachten der Bilder gar keine optischen Hilfsmittel wie die Objektive benötigt - allein durch das "Schielen" soll es möglich sein. Meine ersten Versuche waren allerdings vergebens. Erst mit einiger Übung gelang es mir, die Bilder so zu betrachten, dass diese dreidimensional erschienen. Ich war fasziniert...

Jetzt interessierte mich, wie man die Bilder bearbeiten muss, damit ein 3-D-"Sternmuster" entsteht. Eigentlich müsste es doch möglich sein, auf ein Blatt Papier Sternmuster zu zeichnen, die man dann dreidimensional sehen kann. Nach etwas Herumprobieren fand ich auch die Lösung: Ich nahm Transparentpapier und schnitt zwei Teile mit jeweils 50mm Kantenlänge aus. Auf Blatt 1 zeichnete ich mit einem Tuschestift wahllos einzelne Punkte auf, siehe Bild links.

Dann legte ich das Blatt Transparentpapier Nr.2 darüber. Die gezeichneten Punkte schienen hindurch und sind hier grau gezeichnet.

Jetzt zeichnete ich mit dem Tuschestift seitlich links oder rechts mehr oder weniger versetzt Punkte ein. Einige Punkte malte ich deckend mit dem anderen Punkt ein.


Nun legte ich Blatt Nr.2 rechts und Blatt Nr.1 links 65mm (meinem Augenabstand) nebeneinander und betrachtete sie im Stereoskop. Tatsächlich konnte ich einen "dreidimensionalen Sternhaufen" erkennen - phantastisch! Diejenigen Punkte, die im rechten Blatt nach rechts versetzt sind, erscheinen hinterhalb und die links davon vorderhalb. Die sich deckenden Punkte befinden sich im Mittenbereich. Selbstverständlich konnte ich den "3-D-Sternhaufen" auch ohne das Stereoskop "frei Auge" sehen. Natürlich kann man die beiden Blätter miteinander vertauschen. Dann sind eben die Punkte, welche zuerst vorderhalb zu sehen waren, nun hinterhalb zu sehen

Um dieses 3-D-Sehen etwas leichter zu erlernen bzw. zu verstehen, möchte ich noch ein paar Tipps geben: Betrachten Sie mal mit beiden Augen einen Gegenstand (Baum, Haus) in ca. 100m Entfernung oder weiter. Nun strecken Sie den Daumen aus, sehen auf den Baum und versuchen gleichzeitig auf den Daumen in ca. 75cm Entfernung zu sehen. Sie werden erkennen, dass Sie den Daumen nun doppelt sehen. Genau so verhalten sich die Augen beim 3-D-Sehen, sie sehen quasi in die Ferne - sind aber auf einen Abstand von ca. 30cm eingestellt. Das ist zwar für Auge und Gehirn im normalen Leben selten nötig, aber zum 3-D-Sehen muss dies eben trainiert werden.

Aus der praktischen Erfahrung weiß ich, dass das 3-D-Sehen nach irgendwelchen Beschreibungen - wie auch bei meiner - nicht immer gleich funktioniert. Man braucht eben auch eine gewisse Übung. Jedenfalls wünsche ich viel Spaß beim Zeichnen und Betrachten von dreidimensionalen Sternhaufen.


Ich hoffe, dass ihr Monitor hier einen Bildabstand von 65mm zeigt. Dann versuchen Sie es mal: Können Sie das Bild dreidimensional sehen?

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