Mein erstes Mal

von Herbert Zellhuber

Mein erstes Fernglas - ein 8×32 - kaufte ich mir mit 14 Jahren. Um es finanzieren zu können, fuhr ich drei Monate die zehn Kilometer mit dem Fahrrad zur Schule statt mit dem Bus und konnte somit die 36 DM für die Monatskarten einsparen. Das Glas kostete 42 DM, den Rest legte die Mutter drauf. Ich war damit recht zufrieden aber merkte bei der terrestrischen Beobachtung bald, dass die Wahrnehmung feinster Details erst möglich ist, wenn das Fernglas eine feste Auflage hat. Ich baute mir deshalb einen Neiger aus Holzteilen, der aufs Fensterbrett oder anderen Unterlagen gestellt werden konnte. Ein Jahr später war die Mondlandung. Interessiert hörte ich den Berichten und Kommentaren im Fernseher zu. Gelegentlich benutzte ich das Fernglas auch dazu, den Mond zu beobachten. Voller Begeisterung konnte ich viele Krater und Berge erkennen. Ich versuchte sogar, den Mond zu fotografieren. Hinter dem Okular des Fernglases platzierte ich einen ganz normalen Fotoapparat und drückte ab. Der Mond war zwar groß auf dem Dia abgebildet, leider aber unscharf. Nach den Mondlandungen wurde auch mein Interesse an der Mondbeobachtung geringer.
Größeres Interesse an der Astronomie wurde erst 20 Jahre später wieder geweckt. Ich bekam ein Buch über astronomische Navigation zwischen die Finger, musste aber feststellen, dass ich mehr Grundkenntnisse in Astronomie brauchte, um das Buch weiterlesen zu können. Als Sternbilder waren mir allenfalls der Große und der Kleine Wagen und der Polarstern bekannt. Also besorgte ich mir das Buch "Welcher Stern ist das?" und prägte mir mit dessen Hilfe die wichtigsten Sterne und Sternbilder ein. Um mein Wissen zu vertiefen las ich ein weiteres Astronomiebuch und besuchte danach die Astronomieausstellung im Deutschen Museum. Mein autodidaktischer Astrokurs sollte somit abgeschlossen werden. Das dachte ich jedenfalls. Im Museumsladen entdeckte ich dann das "Himmelsjahr" mit vielen interessanten Beobachtungshinweisen. Als ich mein Fernglas erstmals auf den Andromedanebel richtete, schlug es ein! Da sah ich tatsächlich eine Galaxie in ca. 2 Milliarden Lichtjahren Entfernung mit mehr als 200 Milliarden Einzelsternen! Der Beschluss stand bald fest: Ein Fernrohr muss her! Mehr als 1000 DM sollte es aber nicht kosten. Ich besorgte mir ein 114/900-Newton und entdeckte dann die vielen Nebel, Sternhaufen, Planetarische Nebel und Galaxien. Das Aufsuchen der Objekte war anfangs gar nicht so einfach. Aber jedes erfolgreiche Aufsuchen war ja auch mit einem Erfolgserlebnis verbunden. Diese Art der Naturbeobachtung begeisterte mich restlos. Nachts alleine mit dem Fernrohr auf einem Feldweg - die Sterne über mir - die kühle Luft - der würzige Duft von frisch geschnittenem Gras im Sommer - die Stille - der nächtliche Ruf eines Käuzchens oder anderer Wildtiere. Gelegentlich hört man von weitem den Stundenschlag einer Kirchturmglocke. Alles ist anders als bei Tage. Kaum jemand erlebt sie noch, die Faszination der Nacht.
Ein Jahr später genügten mir die 114mm Öffnung nicht mehr. Da ich bastlerisch schon immer aktiv war, baute ich mir den Achtzöller selbst. Es folgten noch andere Selbstbauten wie ein kleiner Refraktor, ein 3-Zoll-Bino und diverses Zubehör. Auch der Langzeitfotografie widmete ich mich mit Erfolg.
Und heute nach 10  Jahren? Weiterhin bin ich diesem Hobby sehr verbunden. Die nächtlichen Naturbeobachtungen haben ihren Reiz nicht verloren. Im Laufe der Zeit lernte ich auch viele Gleichgesinnte kennen. Mein besonderes Interesse gilt dem Fernrohrselbstbau; ich hab' auch schon wieder ein paar Ideen, die ich in der nächsten Zeit verwirklichen möchte...

Dieser Aufsatz wurde in der Zeitschrift Magellan 2/2002 abgedruckt.

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