Galaxienbeobachtung im Sternbild Fornax

von Herbert Zellhuber

Im Sternbild Fornax gibt es etliche recht helle Galaxien. Was sie aber für den deutschsprachigen Raum mehr oder weniger unnahbar macht, sind eben ihre tiefe Lage. Was in Namibia im Zenit steht, bewegt sich bei uns knapp über dem südlichen Horizont. Das muss aber nicht heißen, dass Galaxien im Fornax von uns aus nicht zu beobachten wären. Mein Beobachtungsort liegt etwa beim 48.Breitengrad, im Alpenvorland auf 950m mit freiem Blick nach Süden. Also theoretisch könnte ich NGC 1365 - die berühmte Galaxie mit der Balkenspirale - sehen, denn sie steht bei der Kulmination 6° über dem Horizont. In der Praxis sind jedoch exzellente atmosphärische Bedingungen nötig. Neulich war mal wieder eine tolle Nacht. Schon bei der Fahrt zum Beobachtungsort stellte ich fest, dass die Luft sehr trocken sein muss, denn beim gelegentlichen Aufblenden streute das Licht der Scheinwerfer weniger als sonst. Nachdem ich das Teleskop, ein 8"f/6 Newton, aufgebaut hatte und die Augen soweit dunkeladaptiert waren, konnte ich Sterne bis zum Horizont herunter erkennen und die 25km entfernten Gebirgsketten hoben sich vom Himmelshintergrund auch besser ab als sonst. Auch den 4m2 hellen Stern im Fornax, von dem aus ich mein Starhop beginnt, konnte ich sicher erkennen. Also nahm ich die aus einem Computerprogramm erstellte Aufsuchkarte zur Hand. Ich gestaltete die Karte damals so, dass Sterne bis 12m5 und Galaxien bis 11m3 eingetragen sind, in der Hoffnung, irgendwann mal möglichst viele davon zu beobachten. Nachdem ich den Referenzstern eingestellt hatte, wechselte ich das 32er Okular gegen ein 15er und rückte mir den Beobachtungsstuhl zurecht. Der Sitz lässt sich gottlob bis 10cm über den Boden einstellen, ich müsste sonst meine Beobachtung kniend verrichten. Dann taste ich mich zur ersten Galaxie. Es ist dies die NGC 1427, 80fach indirekt schwierig, aber immerhin erkennbar. Weiter geht's zur 1399, aaah - die ist direkt möglich, genauso wie die daneben liegende 1404. NGC 1386 ist wieder recht schwierig und ich versuche mich an der 1365. Sie ist ein indirekt erkennbarer größerer Nebelfleck, von der Balkenspirale wie man sie von Fotografien kennt, ist allerdings nichts zu erkennen. Die 1387 ist wieder ein ziemlich schwieriges Objekt und noch schwieriger erscheint mir NGC 1379. Ich wundere mich aber trotzdem, dass ich sie erkennen kann, ist sie doch im Deep Sky Field Guide mit immerhin 11m0 angegeben. NGC 1374 ist wieder ziemlich schwierig, ich kann sie indirekt nicht immer halten. Die 1380 ist direkt zu sehen, aber an der 1351 tue ich mich schwer; ich kann sie nicht sicher erkennen - höchstens vermuten. NGC 1350 kann ich indirekt erkennen. Nun hangle ich mich noch tiefer runter - zur 1326. Ich kann sie durch indirektes Sehen gerade so halten. Noch ein Stückchen tiefer erkenne ich NGC 1316 - und das relativ einfach! Das gibt es doch gar nicht, denke ich mir und gucke mal durch den Peiler. Ich kann es kaum fassen: knapp zwei Fingerbreit über der Bergkette beobachte ich diese Galaxie! Ich guck' nochmal durchs Okular - tatsächlich, da ist sie wieder. Neben der 1316 ist noch 1317 mit 10m8 eingezeichnet. Ich bin aber nicht traurig, weil ich sie nicht erkennen kann. Nun mache ich erst mal eine Pause, nach 45 Minuten intensiver Beobachtung ist dies auch nötig. Neben dem Verzehr eines Schokoriegels prüfe ich die visuelle Grenzgröße. Ich schätze sie knapp über dem Horizont auf ca. 4m6 bis 4m8 - im Zenit dürften es um 6m5 sein. Aus Erfahrung weiß ich, dass bei solchen Verhältnissen der Pferdekopfnebel mit dem Achtzöller machbar ist. Also: H-Beta-Filter ins 20er Okular und ran. Ah ja, da ist er schon; immerhin ist er indirekt als dunkle Ausbuchtung im schwachen Nebel erkennbar. Ob er wohl auch ohne Filter zu sehen ist? Nun, da erkenne ich nichts. Aber damals vor ein paar Jahren, als unterhalb 850m dichter Nebel das Streulicht der umliegenden Ortschaften und Städte abblockte, da konnten wir den Pferdekopfnebel in meinem Achtzöller auch ohne Filter sehen. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte...

Fornax-Galaxienhaufen
© Herbert Zellhuber

Optik: Zeiss Tessar 250 f/4,5
Belichtungszeit: 26 min.
Film: Ilford 400 HP5
Datum: 15. Dezember 1998
Aufnahmeort: Geigersau

Angaben der Objekte nach dem Deep Sky Field Guide:
 Bezeichnung   Helligkeit      Größe      Flächenhelligkeit 
NGC 1316 8m2 13'5 × 9'3 13.3
NGC 1317 10m8 3'5 × 3'0 13.2
NGC 1326 10m4 4'4 × 3'2 13.1
NGC 1350 10m3 6'2 × 3'2 13.4
NGC 1351 11m3 3'0 × 2'0 13.1
NGC 1365 9m3 8'9 × 6'5 13.6
NGC 1374 11m0 2'6 × 2'4 12.8
NGC 1379 11m0 2'6 × 2'5 12.9
NGC 1380 10m0 4'8 × 2'8 12.7
NGC 1386 11m2 3'2 × 1'2 12.5
NGC 1387 10m8 3'1 × 2'8 13.0
NGC 1399 8m8 8'1 × 7'6 13.1
NGC 1404 9m7 4'8 × 3'9 12.7
NGC 1427 10m9 3'4 × 2'5 13.1

Dieser Aufsatz wurde in der Zeitschrift Magellan 2/1999 abgedruckt.

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