Wie gesund leben wir?
von Herbert Zellhuber
Da stehen ja schreckliche Dinge auf den Zigarettenschachteln: "Rauchen kann tödlich sein", "Rauchen fügt Ihnen und den Menschen in ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu", "Raucher sterben früher", "Schützen Sie Kinder - lassen Sie sie nicht Ihren Tabakrauch einatmen".
Ich selbst gab das Rauchen schon vor vielen Jahren auf. Ich sah ein, dass es mir nicht gut tut.
Unbestritten ist das Rauchen schädlich. Aber andererseits: Alkoholkonsum in großen Mengen ist auch alles andere als gesund. Eigentlich müsste man ja auch auf jede Flasche Schnaps, Wein, Bier oder Sekt auch einen Aufkleber anbringen. Beispielsweise könnte man schreiben: "alkoholische Getränke können süchtig machen", "wenn Sie regelmäßig mehr als zwei Flaschen Bier konsumieren, kann dies zur Abhängigkeit führen", "übermäßiger Alkoholkonsum kann über längere Zeit die Leber schädigen". Das wäre der Horror für so manchen Wein-Genießer, Cognac-Liebhaber und Biertrinker - auch wenn sie keinen Alkoholmissbrauch betreiben.
In Deutschland hat mittlerweile jeder zweite Übergewicht. Zuviel Essen bei zu wenig Bewegung kann genauso gesundheitsschädlich sein. Herzinfarkt, Kreislauferkrankungen, Schlaganfall, Diabetes sind sehr oft die Folgen falscher und vor allem übermäßiger Ernährung. Wenn man es genau nimmt, sollte auf jeder Nahrungsmittelpackung ein Hinweis sein, dass auch Überernährung ein hohes Risiko für die Gesundheit darstellt. Man könnte folgendes auf Lebensmittelverpackung schreiben: "Sie haben 20 kg Übergewicht und zu hohen Blutdruk? Dann steigt ihr Risiko enorm, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden" oder "Ihr Bauchumfang hat mehr als 110 cm? Bedenken Sie, dass dadurch Kreislauferkrankungen entstehen können." Ärzte, die laufend mit Folgeerkrankungen durch Überernährung zu tun haben, würden solche Hinweise durchaus für sinnvoll halten.
Übrigens: Den Gammelfleischskandal und Dioxin in Nahrungsmittel sollte man zwar nicht herunterspielen, aber richtig zu Schaden kekommen ist damals egentlich niemand. Die Folgeerkrankungen durch Übergewicht wirken sich aber wesentlich dramatischer aus, das sollte man sich laufend vor Augen führen!
Informationen zum Körpergewicht:
Das Normalgewicht kann jeder leicht auf einer Personenwaage überprüfen. Man nimmt seine Körpergröße in cm und zieht davon 100 ab - bei 178 cm wären das 78. In diesem Fall sind 78 kg das Normalgewicht. 10 kg weniger, also 68 kg sind kein Problem, das liegt immer noch innerhalb des Normalgewichts. 10 kg mehr, also 88 kg sind schon bedenklich. Das gilt natürlich für jedes Alter, egal ob 18 oder 80 Jahre! Aber auch wenn man das Normalgewicht hat, sollte man zusätzlich mit einem Maßband den Bauchumfang prüfen (das gilt vor allem für Leute mit wenig Muskelmasse). Der Bauchumfang sollte 94 cm nicht überschreiten (bei Frauen 80 cm). Gerade das Bauchfett sollte nicht zu üppig sein, da die lebenswichtigen inneren Organe wie Leber, Bauchspeicheldrüse und Nieren nicht von zu viel Körperfett umgeben sein sollten.
Heute gibt es eigentlich keinen Grund mehr, sich ein Fettpolster anzueignen. Früher, als man in Notzeiten von seinen Fettreserven zehren konnte, war dies oft sogar überlebenswichtig. Heute sind Nahrungsmittel bei uns immer und in jeder Menge vorhanden. Auch eine große Nahrungsmittelindustrie ist daran interessiert, möglichst viel davon verkaufen zu können. Da es sehr viele übergewichtige Menschen bei uns gibt, kann man sogar schon von einem Überangebot bzw. Überversorgung sprechen. Hauptsächlich werden kalorienreiche Gerichte verzehrt, wie es sie vor allem in Fastfood-Restaurants und Imbiss-Buden gibt. Aber auch im Supermarkt gibt es viele Fertiggerichte. Leider sind auch diese oft sehr fett- und zuckerhaltig. Gesünder wäre es, wenn man stattdessen mehr Obst und Gemüse zu sich nehmen würde.
Jeder mit Übergewicht sollte also mal überlegen, etwas abzuspecken. Auch ich war vor einiger Zeit übergewichtig und meine Hausärztin riet mir, da auch meine Blutwerte etwas besser sein sollten, 10 kg abzunehmen. Um ehrlich zu sein: Die Blutwerte waren bei mir miserabel. Auch bei mir war das Risiko, in den nächsten Jahren eine Folgeerkrankung zu erleiden, relativ hoch. Ich war schockiert, als mir das mitgeteilt wurde. Nun wollte ich unbedingt abnehmen und die Blutwerte drei Monate später nochmal kontrollieren lassen. Die Ärztin gab mir noch einige Broschüren mit Informationen zur richtigen Ernährung. Mir wurde klar, dass ich zu viel Fleisch- und Wurstwaren zu mir nahm. Hauptsächlich hier setzte ich die Reduzierung an. Außerdem waren es zuckerhaltige Speisen - vor allem Leckereien, die neben den Hauptmahlzeiten vernascht wurden - die reduziert werden mussten. Drei Monate später hatte ich 5 kg abgenommen und meine Hausärztin teilte mir erfreut mit, dass sich meine Blutwerte durch die Diät schon wesentlich gebessert haben. Ich sollte "weiter am Ball bleiben" und noch etwas mehr abspecken. Ich ging sehr ehrgeizig daran, das Normalgewicht zu erreichen. Nach einem halben Jahr hatte ich es dann geschafft. Durch die Ernährungsumstellung waren auch die Blutwerte wieder auf einen normalen Wert eingependelt. Ich war froh und auch stolz, es geschafft zu haben. Natürlich waren die Entbehrungen anfangs nicht einfach, ich habe mich an die Umstellung aber mittlerweile gewöhnt.
Noch etwas mehr Theorie:
Die Energie in der Nahrung wird in kcal (Kilokalorien) gemessen. In der Umgangssprache spricht man von "Kalorien". Der Mensch verbraucht täglich ungefähr 2.000 Kalorien - je nach dem wie viel Bewegung man hat. Bei wenig Bewegung sind es nur 1.700 Kalorien, bei einer langen Bergtour sind es 3.500 Kalorien oder gar noch mehr. Ein kg Körperfett entspricht ungefähr 7.000 Kalorien. Will man in einem Monat 1 kg abnehmen, so müsste man täglich ca. 250 Kalorien mehr verbrauchen als man zu sich nimmt. 250 Kalorien entsprechen 50 g Schokolade (ca. eine halbe Tafel) oder 0,6 l Bier (etwas mehr als eine Flasche). Oder anders gesehen: Man müsste einen Spaziergang mit 30 bis 45 Minuten unternehmen - je nachdem wie schnell man geht - um 250 Kalorien zu verbrauchen.
Viele Mediziner raten davon ab, mehr als ein halbes kg pro Woche abzunehmen. Aus gutem Grund, denn oft hat man nach Radikaldiäten schon bald wieder das alte Gewicht erreicht. Der Körper sollte sich aber auf lange Zeit an die Nahrungsmenge gewöhnen, die nicht zum Zunehmen führt.
Mehr als ein halbes Kilo habe auch ich pro Woche nicht abgespeckt. Übrigens: In einem Monat wären das zwei Kilo, über das ganze Jahr gerechnet immerhin 24 kg! Wer aber auch "nur" 10 Kilo im Jahr schafft, vor dem habe ich großen Respekt.
Man sollte laufend Buch darüber führen und sein Gewicht in einer Liste notieren. Es reicht, wenn man einmal pro Woche auf die Waage steigt. Eine tägliche Kontrolle ist unnötig. Auch wenn man sein Wunschgewicht erreicht hat, sollte weiterhin jede Woche eine Gewichtskontrolle durchführt werden. Auch die Werte sollte man weiterhin aufschreiben, um laufend eine Kontrolle über sein Gewicht zu haben. Man wird sich bald bewusst werden, dass Abnehmen das Eine ist - das Gewicht über Jahre zu halten aber eine ganz andere Geschichte ist...
Übrigens: Hört man mit dem Rauchen auf, so braucht der Körper ca. 150 Kalorien pro Tag weniger. Das sollte man beachten, denn viele Leute nehmen während der Raucherentwöhnung zu, da sie weiterhin die gleiche Menge Nahrung zu sich nehmen.
Wie schaut die Praxis aus?
Wie heißt es so schön: "Der Mensch ist ein Gewohnheitstier" - und genau da liegt der Hase im Pfeffer! Hat man sich mal etwas über die Jahre angewöhnt (egal ob das nun gute oder schlechte Eigenschaften sind) so ist es für die meisten Menschen sehr schwierig, dieses anerlernte oder anerzogene Verhalten zu ändern. Es gibt nur wenige Leute, die ihre Essgewohnheiten von einem Tag auf den anderen Tag ändern können. Genauso selten gelingt es, das Rauchen oder den Alkoholkonsum plötzlich abzustellen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung und aus Gesprächen mit Leuten, die es schafften, ihre Gewohnheiten auf Dauer zu ändern. Da kommen wir immer auch auf gewisse Charaktereigenschaften zu sprechen, um "den inneren Schweinehund" überlisten zu können. Es fallen dann Schlagwörter wie "Härte gegen sich selbst", "eiserne Disziplin", "Durchhaltewille", "Durchsetzungsvermögen", "Willenskraft" usw. Es ist tatsächlich so, dass nicht nur allein der guter Wille und die Einsicht etwas zu ändern nötig ist.
Und wie sieht die Zukunft aus?
Einerseits wird die Durchschnitts-Lebenserwartung steigen. Das liegt in erster Linie daran, dass die Qualität der medizinischen Versorgung laufend besser wird. Andererseits werden aber auch die Zivilisationskrankheiten zunehmen. Auch das Durchschnitts-Körpergewicht wird die nächsten Jahre weiter ansteigen. Sicher werden auch die Kosten für das Gesundheitswesen höher. Möglicherweise wird es irgendwann Probleme mit der Finanzierung ergeben. Das ganze Ausmaß lässt sich momentan noch gar nicht richtig abschätzen, Ärzte und Krankenkassen schlagen aber jetzt schon Alarm. Es sollte also schon jetzt eine möglichst effektive Aufklärungsarbeit erfolgen.
So mancher wird schon erraten haben, auf was ich hinaus will. Unser derzeitiger Wohlstand ist also äußerst trügerisch. Tatsächlich ist es so, dass in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts Krankheiten wie beispielsweise Diabetes verhältnismäßig selten waren. Es gab noch wenige Autos und die Leute bewegten sich viel mehr als heute. Man ging oft zu Fuß oder fuhr mit dem Fahrrad. Es gab auch noch nicht an jeder Ecke einen Supermarkt.
Und heute? Die Statistik besagt, dass sich schon die Kinder zu wenig bewegen und lieber stundenlang vor dem Computer oder Fernseher hocken. Das Essen ist zu süß und auch zu fett. Dass dies Konsequenzen auf die Gesundheit haben wird, müsste eigentlich jedem einleuchten.
Natürlich wird es nach wie vor genug Leute geben, die sich richtig und gesund ernähren, ausreichend Bewegung haben und auf Alkohol und Rauchen weitgehend verzichten. Es sind diese zu beneiden, die ihre geistige und körperliche Fitness bis ins hohe Alter bewahren. Ich hoffe, auch Sie sind mit dabei.
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