Das Justieren eines Feldstechers

von Herbert Zellhuber

Feldstecher sind oft einer rauen Behandlung ausgesetzt. Fällt das Glas zu Boden kann es vorkommen, dass man danach Doppelbilder darin sieht. Auch mir passierte dies. Hier möchte ich beschreiben, wie ich dem Feldstecher wieder zu einer guten Abbildung verhalf.

Es gibt Feldstecher, bei denen die Prismen nicht verstellt werden können; dann wird das Objektiv über Exzenterringe justiert. Auf Bild links ist ein Fernglas abgebildet, bei dem die Prismen durch kleine Schräubchen eingestellt werden; die Pfeile deuten auf diese Schräubchen. Meistens sind diese jedoch abgedeckt und man muss mit einem Messer oder einer Nadel die Abdeckung an dieser Stelle entfernen. Ist das Glas nur geringfügig dejustiert, so kann man folgendes versuchen: Man stellt den Feldstecher auf ein Stativ oder ein Brett, dass man völlig wackelfrei durchschauen kann. Dann richtet man es auf einen markanten Punkt im Gelände (Kirchturm, Masten, Baum...) in mindestens 100m Entfernung. Durch vorsichtiges Drehen an den Schräubchen kann man die Bilder zur Deckung bringen. Man kann dann durchaus wieder ein brauchbares Fernglas haben. Wenn jedoch die Doppelbilder sehr weit differieren, ist eine Grundeinstellung nötig. Man muss hierzu die Brücke mit den beiden Okularen abbauen, siehe Bild unten. Zuvor sollte man aber noch kontrollieren, ob die Okulare gerade stehen. Es kann durchaus vorkommen, dass die Brücke durch einen Sturz verbogen worden ist.

Nun benötigt man ein kleines Justierokular, das ähnlich dem Chesire-Justierokular gebaut ist, nur ohne Fadenkreuz. Ich stellte mir diese Justierhilfe an der Drehbank her. Um nun die Grundeinstellung zu erreichen, blickt man durch die kleine Bohrung des Justierokulars und verstellt die Justierschräubchen so, dass sich die erkennbaren Ringe konzentrisch zueinander befinden. Hierbei muss das Objektiv vorne abgedeckt sein. Bei ungünstigen Lichtverhältnissen kann man durch die große Bohrung am Justierokular Licht einspiegeln. Ist die Grundeinstellung erreicht, kann man die Brücke mit den Okularen wieder montieren. Nach der Grundeinstellung kann es durchaus vorkommen, dass trotzdem noch Doppelbilder zu sehen sind. Die Mechanik hat gewisse Fertigungstoleranzen und deshalb ist noch eine Feineinstellung nötig. Diese kann man durchführen, wie vorhin beschrieben.

Oft wird man aber trotzdem keine optimale Kollimation erreichen. Von der Firma Pieper (leider gibt es diese Firma nicht mehr) besorgte ich mir deshalb ein kleines Justiergerät, den Binotest. Das Fernglas stellt man hierzu auf ein Stativ und peilt einen markanten Punkt in einigen hundert Metern Entfernung an. Dann setzt man den Binotest hinter die Okulare und beobachtet dessen Austrittsöffnung. Zum Erkennen des richtigen Justierzustandes braucht man wiederum ein wenig Übung. Wenn das Bild hin- und herspringt, ist die Justierung nicht in Ordnung und muss an den Justierschrauben korrigiert werden, bis sich beide Bilder exakt decken. Es besitzt eine sehr hohe Genauigkeit und deckt auch die geringsten Abweichungen an der Justage auf.

Im Vierkant-Alurohr sind Rhombus-Prismen von Entfernungsmessgeräten eingebaut. Vorne sind zwei Bohrungen Ø10 mm im Abstand von 65 mm angebracht, auf der Rückseite eine. Die Prismen sind nur mit je einer Kunststoffschraube gehalten, eine Justiervorrichtung gibt es nicht und ist auch unnötig.

Beim Zerlegen fiel mir auf, dass die Glaskanten der Prismen ausgebrochen sind (Bild links) - was für das einwandfreie Funktionieren allerdings keinerlei Einfluss hat.

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