Pflege und Wartung am VW Jetta
von Herbert Zellhuber
Regelmäßiges Warten und richtige Pflege des Wagens dient der Werterhaltung, außerdem vermindert man das Risiko von Defekten. Hier möchte ich einige meiner Erfahrungen weitergeben, die ich in über 35 Jahren im Umgang mit Autos sammeln konnte.
Waschen und Lackpflege: Wenn ich zurückblicke, habe ich mich mit der Wagenwäsche eher zurückgehalten - durchschnittlich machte ich das 1-2 Mal im Monat. Dazu wird der Wagen mit einem Wasserschlauch abgespritzt, wobei ich immer auch unter den Kotflügeln den Dreck entfernte. Dann nehme ich Schwamm und warmes Wasser, in welches übliches Reinigungsmittel für die Wagenwäsche beigegeben ist. Danach spritzte ich den Wagen nochmal ab. Auf ein Abledern verzichtete ich meistens, ein paar Kalkränder stören mich nicht. Eine Waschanlage benutzte ich übrigens nie.
Eine ausgiebigere Lackpflege mache ich höchstens 1-2 Mal im Jahr. Dazu nehme ich Plastal 66 das ich mal auf der Messe "Heim und Handwerk" in München kaufte (früher war ein ähnliches Produkt unter B 2000 bekannt). Dieses Mittel ist sehr ergiebig und ich bin recht zufrieden damit, da es vor allem auch für alte Lacke gut geeignet ist. Die 1-Liter-Flasche habe ich schon seit mehr als 15 Jahren. Allerdings weiß ich nicht, ob dieses Mittel noch im Handel erhältlich ist. Gelegentlich schaue ich nach, ob Lackschäden durch Steinschlag entstanden.
Tanken und Benzinverbrauch: Der langjährige Durchschnitt beträgt exakt 8,42 Liter pro 100 km. Früher tankte ich Normalbenzin. Da Superbenzin mittlerweile genauso teuer ist, nehme ich dieses (kein Super Plus, ich mische auch keinerlei Additive dem Kraftstoff bei).
Spätestens nach 1.000 km prüfe ich den Ölstand, allerdings war bisher kein Ölverbrauch bei diesem Motor feststellbar. Außerdem wird der Reifenluftdruck (vorne u. hinten 1,9 bar) kontrolliert und ich schaue nach der Bremsflüssigkeit, Kühlflüssigkeit und Scheibenwischerflüssigkeit.
Den Motorölwechsel führe ich einmal jährlich durch. Der Motor läuft derzeit meistens auf Kurzstrecken, ca. 2.000 km pro Jahr. Früher, als noch mehr Langstrecken gefahren wurden, wechselte ich das Öl erst bei 5.000 km.
Bei warmem Motor wird das alte Öl abgelassen, nach 15.000 km wird zusätzlich der Ölfilter getauscht. Seit jeher nehme ich mineralisches Motoröl 15 W 40 oder 20 W 40 der unteren Preisklasse (ca. 2 € pro Liter). Da der Motor keine Höchstbelastungen wie Dauervollgas ausgesetzt ist, kann ich diesem preisgünstigen Öl voll und ganz vertrauen. Aus verschiedenen Quellen las ich, dass man moderne synthetische Leichtlauföle für ältere Motoren eh nicht verwenden soll.
alle 5.000 km prüfe ich den Unterbrecherkontakt auf Verschleiß und stelle bei Bedarf den Zündzeitpunkt nach. Seit jeher verwende ich dazu eine einfache Prüflampe. Dabei drehe ich mit einem 22er Gabelschlüssel die Kurbelwelle im Uhrzeigersinn und beobachte die Markierung auf der Keilriemenscheibe. Meistens gebe ich ein paar Grad mehr Frühzündung (Bild links).
Dass die Werkstatt mit ihren hochmodernen Messanlagen den Motor nicht besser einstellen kann, zeigte sich immer nach der Abgassonderuntersuchung (ASU). Der Motor sprang bei Kälte einfach nicht mehr so gut an. Mit der Prüflampe stellte ich fest, dass die Zündung relativ spät - fast auf OT - erfolgt. Als ich die Zündung mit der Prüflampe wieder zurück stellte, war auch das Startverhalten besser. Seitdem sage ich dem Mechaniker bei der ASU, dass er den Zündzeitpunkt möglichst früh und auch den Vergaser nicht zu mager einstellen soll.
Der Zündkerzenelektrodenabstand wird alle 5.000 km geprüft und bei Bedarf auf 0,7 mm korrigiert. Nach 15.000 km werden die Zündkerzen gewechselt.
ebenfalls alle 5.000 km werden Fahrlicht, Fernlicht, Standlicht, Rückfahrscheinwerfer, Blinker, Rücklicht, Bremslicht und Warnblinkanlage getestet.
Nach 15.000 bis 20.000 km wird der Unterbrecher gewechselt. Dabei wird immer auch der Nocken mit Bosch-Fett Ft 1 v 4 nachgefettet. Danach stelle ich den Schließwinkel bzw. der Unterbrecherabstand neu ein. Zu diesem Zweck bastelte ich mir ein Hilfswerkzeug, darauf sind die entsprechenden Winkel mit Toleranzangabe eingezeichnet. Wie bei der Kontrolle des Zündzeitpunktes nehme ich die Prüflampe dazu. Eine Krokodilklemme kommt an Masse und die andere an das Kabel zwischen Zündspule und Kondensator. Ein Stück angeschraubter Draht ist bei der Ablesung behilflich (Bild links). Beim Zusammenbau prüfe ich dann auch gleich noch an der Verteilerkappe die Kontaktkohle und den Verteilerfinger auf Verschleiß.
Alle 15.000 km: Türschlösser, Tankschloss und Kofferraumschloss wird mit Ballistol geschmiert. Für Scharniere an Türen, Kofferraum und Motorhaube nehme ich Fahrradschmieröl.
Nach 15.000 km: Tür-, Motor- und Kofferraumgummi schmiere ich leicht mit Glyzerin ein, um die Haltbarkeit zu erhöhen.
Alle 15.000 km: Ventilspiel prüfen - der Zylinderkopf sollte dazu handwarm sein (ca. 35° C). Der Ventildeckel wird abgebaut, das Spiel zwischen Schlepphebel und Nockenwelle wird mit Federblechen (Bild rechts) kontrolliert und bei Bedarf eingestellt. Dazu ist ein 7-mm-Innensechskantschlüssel nötig. Das Einlassventil (0,2 mm Spiel) ist jeweils auf der linken Seite, rechts ist das Auslassventil (0,3 mm Spiel). Falls die Korkdichtung schon verhärtet oder rissig ist, muss sie ersetzt werden.
Alle 5.000 km: Scheibenbremsbeläge prüfen. Dazu werden die Vorderräder abgebaut. Der Bremsbelag muss spätestens gewechselt werden, wenn nur noch 2 mm vorhanden sind bzw. das Verschleißmaß weniger als 14 mm beträgt, das man mit der Schieblehre misst.
Alle 15.000 km: Bremsscheibe prüfen - auch hier sind die Vorderräder abgebaut. Da die Scheibe nach längerer Laufzeit außen einen Rand hat, kann man die Breite nicht mit einer gewöhnlichen Schieblehre messen. Ich mache das immer mit der Mikrometerschraube (Bild rechts). Ein Maß von 8 mm sollte nicht unterschritten werden, sonst muss man die Bremsscheiben erneuern.
Alle 15.000 km: Kupplungspiel kontrollieren und ggf. am Kupplungszug einstellen
Alle 15.000 km: Hupe auf Funktion testen
Alle 15.000 km: Kraftstoffvorfilter wechseln
Alle 20.000 km: Vergaserschwimmerkammer reinigen - dazu muss der Deckel abgenommen werden, indem die sechs Schlitzschrauben gelöst werden. Zuvor lege ich noch eine Schlinge aus Bindedraht an die Feder vom Choke, damit diese keinen Druck ausüben kann (Bild links).
Nachdem die Schraube am Drahtzug des Chokes gelöst ist, kann man den Vergaserdeckel zur Seite kippen. Nun kann man den Schwimmer herausnehmen - dabei auf die Dichtung achten, dass sie nicht beschädigt wird. Zum Ablassen des Benzins aus der Schwimmerkammer wird die Verschlussschraube gelöst. Ein Stück Blech leitet dabei den Sprit in die Blechdose (Bild Mitte).
Nun wird die Hauptdüse ausgeschraubt und die Leitung mit Pressluft ausgeblasen (Bild rechts). Danach wird wieder alles zusammengebaut.
Alle 15.000 km: Luftfilter reinigen, bei Bedarf wechseln
Alle 15.000 km: Getriebeölstand prüfen - dazu wird die 17er Innensechskantschraube neben der rechten Antriebswelle gelöst. Das Öl sollte bis zur Unterkante vom Gewinde reichen. Bei Bedarf wird Getriebeöl nachgefüllt. Bei 60.000 bis 80.000 km wird das Öl (2,2 l) gewechselt.
Alle 15.000 km: Zahnriemenspannung prüfen - dabei wird die Stahlblech-Abdeckung abgeschraubt, die von drei Schrauben gehalten wird. Der Zahnriemen sollte sich um 90° drehen lassen, wenn er mit Daumen und Zeigefinger gedreht wird (Bild links). Ist er zu stramm eingestellt, ist ein deutliches Heulen im Fahrbetrieb zu vernehmen. Spätestens nach 120.000 km wird der Zahnriemen durch einen Neuen ersetzt.
Alle 10.000 km: Keilriemenspannung prüfen - mit dem Daumen gegen den Riemen drücken, dabei soll er sich 10-15 mm durchdrücken lassen. Nach 60.000 km wird er erneuert. Ich habe immer Ersatz dabei, falls mal einer kaputt gehen sollte.
Alle 15.000 km: Um den Bremsbelag der Trommelbremse zu überprüfen, wird das Auto hinten mit dem Wagenheber aufgebockt und das Rad entfernt. Nachdem der Gummistopfen abgenommen ist, kann mit Hilfe einer Taschenlampe (und eventuell einem Zahnarztspiegel) der Verschleiß festgestellt werden. Der schwarze Pfeil weist auf den Bremsbelag, der weiße auf die Bremsbacke (2,5 mm). Die Verschleißgrenze des Bremsbelags beträgt ebenfalls 2,5 mm.
Alle 15.000 km: Zum Testen der Kompression werden am warmen Motor die Zündkerzen herausgeschraubt. Der Helfer ist auf dem Fahrersitz, tritt das Gaspedal durch und läßt den Anlasser auf Zuruf laufen. Das Kompressionsprüfgerät wird dabei auf das Zündkerzenloch gedrückt. Es reichen ein paar Umdrehungen, bis der Maximalwert angezeigt wird. Durch Zuruf läßt der Helfer den Zünschlüssel wieder los. Anhand der Messergebnisse kann festgestellt werden, ob Kolbenringe und Ventile noch dicht machen.
Wenn das Auto mit den Hinterrädern auf der Rampe steht, werden folgende Kontrollen durchgeführt:
Alle 15.000 km: Bremsanlage hinten - dabei wird darauf geachtet, dass die Bremsschläuche und -leitungen nicht beschädigt sind und dass keine Bremsflüssigkeit ausgetreten ist. Die Bremsleitungen wurden gefettet, damit sie nicht rosten können. Es bildet sich dabei nach einiger Zeit über dem Fett eine Staub- und Schmutzschicht. Das Fett wird gelegentlich wieder neu aufgetragen.
Alle 15.000 km: Auspuffanlage - es wird die Aufhängung überprüft und ob die Anlage Löcher hat. Im Bild links ist ein kaum erkennbares Loch vorhanden und es tritt Flüssigkeit aus.
Alle 15.000 km: Benzinleitung auf Dichtheit und Beschädigung prüfen
Alle 15.000 km: Unterbodenschutz ausbessern - das Bild links zeigt ein typisches Beispiel. Nachdem der Unterbodenschutz an den rostbefallenen Stellen mit einem Schaber abgekratzt wurde und mit der Drahtbürste der grobe Rost entfernt ist (Bild Mitte), wird etwas Fett drüber geschmiert (Bild rechts). Vorerst ist so der Rostfraß gestoppt. Von Zeit zu Zeit wird wieder neues Fett aufgetragen.
Alle 15.000 km: Alle erreichbaren Schrauben und Muttern werden auf Anzugskraft überprüft.
Wenn das Auto mit den Vorderrädern auf der Rampe steht, werden folgende Prüfungen durchgeführt:
Alle 15.000 km: Motor und Getriebe auf Öldichtheit - wenn etwas Öl rausschwitzt, ist das nicht tragisch. Falls sich in der Garage aber Ölflecken bilden, sollte man etwas unternehmen.
Alle 15.000 km: Die Manschetten der Antriebsgelenke dürfen nicht beschädigt sein. Falls Fett austritt (und somit auch Schmutz eindringen kann), sollte man die Manschette erneuern, um Schäden an den Antriebsgelenken zu vermeiden.
Alle 15.000 km: Die Manschetten der Lenkzahnstange müssen genauso dicht sein, um Folgeschäden am Lenkgetriebe zu verhindern.
Alle 15.000 km: Staubkappen der Federbeinführungsgelenke sowie ...
... Staubkappen der Spurstangenköpfe auf Dichtheit und Beschädigung prüfen.
Alle 15.000 km: Kühlwasserschläuche dürfen nicht undicht oder rissig sein.
Alle 15.000 km: Bremsanlage vorne ebenfalls auf Dichtheit und Beschädigung prüfen
Alle 15.000 km: Aufhängung und Zustand der Auspuffanlage - im Bild rechts erkennt man ein paar kleine schwarze Flecken. Da bläst es leicht durch, kann aber noch toleriert werden.
Alle 15.000 km: Alle erreichbaren Schrauben und Muttern werden auf Anzugskraft überprüft.
nach 30.000 km baue ich die Trommelbremse ab, dabei wird die Bremse von Staub und Schmutz gereinigt und das Radlagerspiel an den Kegelrollenlagern wieder neu eingestellt. Bei Bedarf erhält das Radlager frisches Fett.
Eigentlich sollte man alle zwei Jahre die Bremsflüssigkeit wechseln. Da das Fahrzeug im Winter nicht bewegt wird und auch wenig Kilometer zurückgelegt werden, kann man auch 4-5 Jahre auf den Wechsel warten. Dabei schiebe ich die beiden Kolben der Scheibenbremse zurück und sauge das Öl im Bremsflüssigkeitsbehälter ab. Nachdem neues Öl eingefüllt ist, betätige ich das Bremspedal so lange, bis die Bremsen wieder greifen. Danach werden die Bremsen entlüftet, dazu ist wieder ein Helfer nötig.
Nach 60.000 km und 120.000 km wechselte ich die Kühlflüssigkeit. Beim Jetta wird nämlich der Zahnriemen durch das Verstellen der Kühlmittelpumpe eingestellt. Allerdings kann dabei nach einer gewissen Laufzeit die Pumpe am Motorgehäuse festkleben und muss abgebaut werden. Dabei entweicht auch eine größere Menge Kühlwasser. Ich sah, dass nach es nach 60.000 km schon ziemlich verschmutzt war und wechselte es deshalb aus. Mit einer Prüfspindel wird auch geprüft, ob die Kühlflüssigkeit bis -25° nicht gefrieren kann.
Wartungsliste:
Diese Liste enthält neben den anfallenden Wartungsarbeiten auch sämtliche Kosten, Benzinverbrauch, Austausch neuer Teile usw. Zur Ausarbeitung dieser Wartungsliste ist mir der Computer behilflich.
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