Meine selbstgebauten Modellkanonen

von Herbert Zellhuber

Meine erste Modellkanone baute ich im zweiten Lehrjahr als Feinmechaniker (1971). Damals durfte jeder Lehrling sich etwas zu Weihnachten basteln. Ich entschied mich für den Nachbau einer Kanone. Das Original war von unserem Werkzeugmacher-Meister. Der Bau war relativ aufwändig und ich musste die Lafette und den Zusammenbau der Räder zu Hause vornehmen. Die Dreh-, Bohr- und Fräsarbeiten konnte ich im Betrieb machen.

Das Rohr, die Naben, die Achse und die Rohrhalterung wurden aus Messing hergestellt. Über die Felge wurde Messingblech gezogen, das zuvor als Ring zusammen gelötet wurde. Ich musste mehrere Ringe anfertigen, bis die richtige Länge passte. Die beiden Räder mit den acht eingesetzten Holzspeichen waren die meiste Arbeit. Die Holzteile wurden dunkel gebeizt und mit farblosem Lack gestrichen. Mittlerweile hat das Messing Patina angesetzt und es sieht richtig antik aus - gefällt mir besser als aufpoliert.

1983 baute ich ein etwas kleineres Modell nach.

Vor einigen Jahren kaufte ich mir ein Buch über historische Kanonen.


Im Jahr 2008 baute ich dann eine weitere Modellkanone, diesmal aus Edelstahl. Für das Rohr nahm ich rostfreien Automatenstahl, dieser ließ sich gut in der Drehbank bearbeiten. Die Holzteile sind mit farblosen und matten Lack gestrichen.


Radreifen und Nabe wurden mit der Teilvorrichtung in der Drehmaschine hergestellt. Die Bohrungen waren so genau gesetzt, dass sich beim Einsetzen der runden Speichen das Rad von selbst zentrierte. Über die Räder zog ich dann einen dünnen Ring, der aus Edelstahlrohr gedreht wurde. Die Nabe ist aus Holz, es wurden zusätzlich kleine Ringe aufgepresst. Die Edelstahlachse ist in einer Messingbuchse gelagert.



Es kamen Anfragen, ob ich ausführliche technische Zeichnungen für die Edelstahl-Modellkanone habe. Nein, habe ich nicht - außer einige unleserliche Handskizzen. Deshalb fotografierte ich das Modell in der Seiten- und Draufsicht. Mit Hilfe des Maßstabes können nun die wichtigsten Maße abgetragen werden.


Ansicht von unten


Die kleine Edelstahlkanone hat mittlerweile einen größeren Bruder bekommen, da ich noch etliche 30er Edelstahl-Rundlinge rumliegen habe.


Um eine genaue Teilung der Bohrungen für die Speichen in der Radnabe zu erhalten, nahm ich den Teilapparat der Fräsmaschine zu Hilfe. Mit den üblichen Spiralbohrern für Metall lässt sich Holz zwar bohren - aber durch die Maserung bzw. der unterschiedlichen Dichte von Holz verlaufen diese leicht. Es gibt zwar spezielle Bohrer für Holz, aber solche habe ich nicht. Deshalb bohrte ich zuerst mit einem 4-mm-Bohrer vor und spannte danach einen 6-mm-Schruppfräser ins Bohrfutter. Damit wurden die Bohrungen alle sauber maßhaltig. Im Bild rechts wird in die Radnabe in der Drehmaschine weiter bearbeitet, hier wird gerade die Bohrung für die Messingbuchse ausgedreht.


Die fertig verleimte und lackierte Lafette

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