Mein altes Klapprad

von Herbert Zellhuber

Dieses Fahrrad habe ich seit 1977. Die Idee war, das Rad im Auto verstauen zu können, um kleinere oder auch größere Touren auswärts unternehmen zu können. Auch für Besuche in der Großstadt (bin gelegentlich in München) hat man mit einem Fahrrad Vorteile. Das Fahrrad schien mir relativ stabil zu sein, es hat auch 24-Zoll-Räder. Von Klapprädern mit wesentlich kleineren Rädern hörte ich gelegentlich schon Klagen, dass sie nicht besonders fahrstabil wären.

Sofort nach dem Kauf kontrollierte ich, ob alle Schrauben auch richtig angezogen sind. Obwohl man von einem Fahrrad-Fachgeschäft erwarten kann, dass das Fahrzeug in einem verkehrssicheren Zustand ausgeliefert ist, bestätigte sich dies nicht. Es mussten etliche Schrauben erst nachgezogen werden, damit ich die erste Ausfahrt wagen konnte. Es folgten etliche Touren, wobei auch Fahrten ins Gebirge - z.B. ins Karwendeltal - unternommen wurden. Das Rad war dabei recht zuverlässig und es gab keine größeren Pannen.

Irgendwann in den frühen 90er-Jahren fand ich im Sperrmüll das Topcase, bei dem nur das Scharnier beschädigt war. Damals waren diese Teile noch selten und auch verhältnismäßig teuer. Die Reparatur war kein Problem für mich. Nun hatte ich reichlich Platz für Werkzeug, Regenumhang, Ersatzschlauch usw. Dieses Topcase möchte ich mittlerweile nicht mehr missen. Außerdem kamen mir noch verschiedene Ersatzteile in die Finger, wie beispielsweise ein komplettes Hinterrad, Pedale, Rückleuchten, Ersatzluftpumpe (wurde mir schon mal gestohlen) usw. Die Teile stammen von weggeworfenen Fahrrädern, waren aber noch in einem einwandfreien Zustand und teilweise so gut wie neuwertig! Einige Teile wie Speichen, Werkzeugfach, Sattel, Klingel, Rückleuchte, und ein Pedal gingen schon kaputt und wurden ausgetauscht. Die Teile hätte ich zwar auch kaufen können - aber wozu, wenn man nur einen Griff in die Ersatzteilkiste machen muss? Ist halt meine Mentalität...

Die Mentalität der heutigen Zeit präsentiert sich allerdings ganz anders. Repariert werden Fahrräder manchmal nur noch in Ausnahmefällen - man kauft einfach ein neues! Schließlich sind die Räder von den Chinesen so billig geworden, dass die Ersatzteile und der Lohn für die Reparatur schon fast genauso teuer sind wie ein neues Rad. Man braucht nur mal auf den Schrotthaufen im Recyclinghof zu sehen. Da sieht man Räder, die schon nach zehn Jahren einfach weggeschmissen werden. So geht das heute!

Von Rahmenbrüchen und anderen Unannehmlichkeiten

Das Rad wurde gelegentlich ganz schön hart rangenommen. Feldwege waren an der Tagesordnung und so kam es, dass irgendwann mal der Gepäckträger brach. Das Topcase war eben doch eine zu hohe Belastung. Ich stellte fest, dass ein Stück Edelstahlblech an der richtigen Stelle angeschweißt, den Träger nun nicht mehr zum Schwingen brachte. Tatsächlich hält der Gepäckträger bist heute und musste auch nie wieder repariert werden. Allerdings musste ich das Schweißgerät schon bald wieder zu Hilfe nehmen: Am Klappscharnier entdeckte einen Riss! Offensichtlich ist das ein Schwachpunkt an diesen Rädern. Ich hörte schon ein paarmal, dass es dort Brüche gab.

Ein paar Jahre später kam dann die nächste Überraschung: Ein kapitaler Rahmenbruch mitten in der Prärie! Diesmal aber nicht am Scharnier, sondern am unteren Rahmenrohr. Bin froh, dass das nicht bei einer rasanten Abfahrt passierte. Ich dachte schon darüber nach, das Rad zu verschrotten. Trotzdem reparierte ich den Rahmen mit einer kräftigen Schweißnaht. Vorsichtshalber schweißte ich noch ein Vierkanteisen zusätzlich an (Bild links). Nun hatte ich auch wieder Vertrauen zum Rahmen. Leider war durch die Hitze beim Schweißen das meiste Fett im Kurbellager heraus geflossen. Der Kurbeltrieb wurde deshalb zerlegt und neu gefettet.
Allerdings musste ich das Schweißgerät nach einiger Zeit schon wieder verwenden. Die Schraube am Lenker brach einfach ab! Nach dem Rahmenbruch konnte mich schon nichts mehr schocken. Also wurde auch dieses Teil verbessert. Ich verzichtete auf eine Verschraubung und schweißte den Lenker einfach zusammen. Jetzt hält auch das. Allerdings stellte ich danach verstärktes Lenkungslagerspiel fest. Auch das reparierte ich.

Ich hoffe, dass ich das Rad noch lange haben werde. Dass immer wieder mal eine Reparatur zu erledigen ist, nehme ich hin. Von dem neumodischen Kram wie Alurahmen (kann kein Alu schweißen), Gangschaltung (meiner Ansicht zu anfällig an Klapprädern), Scheibenbremsen und sonstigen filigranen Schnickschnack halte ich wenig.

Ich hörte schon, dass es sogar Treffen für Klappradfahrer geben soll und daraus ein regelrechter Kult entstanden ist. Mal sehen, vielleicht fahre ich auch mal zu so einem Treffen...


zur Startseite