Das typische Einsteiger-Teleskop: Das Meade DS-2114 ATS

von Herbert Zellhuber

Abgeholt wurde ein Paket in der Größe 29×46×95 cm und 12 kg Gewicht. Darin befand sich ein Newton mit 114 mm Öffnung, azimutaler Montierung und GoTo-Steuerung, das als typisches Einsteiger-Teleskop gilt. Der Kaufpreis beträgt 249 € (März 2009). Beigelegt waren sowohl eine Deutsche als auch eine Englischsprachige Bedienungsanleitung und eine DVD von Meade.
Das Dreibein ist eine Aluminiumkonstruktion mit einem Gewicht von 2,5 kg. Beim Aufspreizen der Beine klappen die mittleren Stützstreben auf und es kann eine Okularablage mit zwei Flügelmuttern angeschraubt werden. Durch Drehen des Stellgriffs um 60° werden die Stützstreben arretiert. Die Höhe des Stativs kann man durch die ausziehbaren Beine zwischen 68 cm und 116 mm einstellen. Das Arretieren der Ausziehbeine geschieht zuverlässig mit einem Clip. Praktisch ist es, dass die Ablage beim Zusammenklappen des Dreibeins angeschraubt bleiben kann. Der Aufbau des Dreibeins ist mühelos in kürzester Zeit möglich. Das Dreibein ist der Belastung von Montierung (2 kg) und Tubus (2 kg) gewachsen.
Mit einer zentrischen Sternschraube wird die azimutale Einarm-Montierung mit GoTo-Steuerung am Dreibein befestigt. Danach wird der Tubus in die Rohrschelle gelegt, eingeklappt und mit einer Rändelschraube befestigt. Zur Not, falls man keine oder nur leere Batterien zur Hand hat, kann durch leichtes Öffnen der Verschraubungen das Teleskop trotzdem benutzt werden. Allerdings sollte man in Azimut die Montierung nur in der Nähe des Staivkopfs mit der Hand fassen und drehen, da das Ganze ziemlich schwergängig zu handhaben geht. Es soll unbedingt vermieden werden, dass die Mechanik wie das Schneckengetriebe Schaden nehmen könnte. Das manuelle Bewegen des Fernrohrs ist aber nur eine Notlösung. Im normalen Betrieb wird das Instrument mit acht Mignonzellen betrieben. Ein Netzgerät ist nicht vorgesehen. Da ich aber als alter Elektronikbastler passende Adapter habe, wurde zum Kennenlernen des Geräts ein Netzgerät benutzt. Immerhin hat die Stromaufnahme im Leerlauf schon 0,1 Ampere und die Batterien wollte ich mir für die Beobachtung bei Nacht schonen. Also ging ich es erst mal daran, mich in die Bedienung des Handcomputers einzuarbeiten. Die Betriebsanleitung bietet eine ausführliche Beschreibung. Hier möchte ich nur die Anwendungen vorstellen, die mir als eingefleischter Deep-Sky-Beobachter am wichtigsten erscheinen.
Nachdem der Schalter für die Stromzufuhr eingeschaltet ist, erscheint an der Handsteuerbox eine eindringliche Warnung davor, das Fernrohr auf die Sonne oder deren Nähe zu richten. Der Lauftext erscheint eineinhalb Minuten lang, kann aber mit der Taste [SPEED] übersprungen werden. Dann kann man die vier Richtungstasten betätigen und das Teleskop am Himmel ausrichten. Bei der schnellsten Geschwindigkeit (Stromaufnahme 0,25 A) erinnert das Geräusch an einen Akkuschrauber. Ebenfalls mit der [SPEED]-Taste werden die neun verschiedenen Drehgeschwindigkeiten bestimmt. Je langsamer die Geschwindigkeit, desto leiser ist dieser Vorgang.
Um das Gerät im GoTo-Modus betreiben zu können, muss eine Ausrichtung an zwei Sternen durchgeführt werden. Am einfachsten geht das, in dem das Fernrohr manuell, also ohne Zuhilfenahme der Richtungstasten, waagrecht nach Norden ausgerichtet wird und man sich dann nach den Anweisungen der Handsteuerbox richtet. Dort werden unter anderem die Angabe des Datums und der Uhrzeit verlangt. Das Teleskop fährt dann zwei helle Sterne an, die im Okular zentriert werden. Danach bestätigt man mit [ENTER] und die Ausrichtung ist durchgeführt. Ein Anfahren der Objekte kann beginnen, auch die automatische Nachführung funktioniert jetzt. Allerdings ist es nicht möglich, in Zenitnähe zu beobachten; es würde der Tubus am Dreibein anstoßen. Falls bei der Nachführung oder einer automatisierten Suche nach einem Himmelsobjekt der Tubus dem Dreibein zu nahe kommt, kann mit jeder beliebigen Taste (außer der [GoTo]) gestoppt werden und mit den Richtungstasten das Teleskop in eine andere Richtung schwenken. Es kann vorkommen, dass Objekte nicht in der Datenbank mit den 1.400 Objekten gespeichert sind. Dann kann dies über Koordinaten geschehen, die z.B. einem Himmelsatlas entnommen werden. Das "Trockentraining" führte ich zuvor im heimischen Wohnzimmer durch, bis ich die Handhabung beherrschte. Ich sah, dass die Elektronik noch etliche andere Hauptfunktionen auf Lager hat. So ist ein umfangreicher Glossar zu astronomischen Fachbegriffen vorhanden, der durch Tastendruck abgerufen werden kann. Auch eine Führung durch die sehenswertesten Himmelsobjekte, die zur Zeit am Nachthimmel zu sehen sind, kann man durchführen. Ebenso sind die wichtigsten Daten zu den Himmelsobjekten durch Knopfdruck auf der Laufzeile ablesbar. Um alle Optionen am Gerät kennen zu lernen, sind ein ausführliches Studium der Anleitung und natürlich viel praktische Übung nötig.
Wenn man sich als Astronomie-Einsteiger ein solches Gerät anschafft, sollte man schon unbedingt die Sternbilder kennen, um die Referenzsterne bestimmen zu können. Man wird sich also wohl oder übel mit Bezeichnungen wie Alioth, Thuban, Nihal und den anderen Sternbezeichnungen anfreunden müssen, um das Instrument ausrichten zu können. Wer jedoch meint, ohne diese astronomischen Kenntnisse dieses GoTo-Teleskop bedienen zu können bzw. einfach auf Knopfdruck alle bekannten Himmelsobjekte anzufahren, wird schnell eines Besseren belehrt. Die wichtigsten Handgriffe müssen beherrscht werden, will man nicht während der Beobachtungsnacht wie der bekannte "Ochs' vorm Berg stehen".
Nun nahm ich die Optik etwas unter die Lupe. Der Tubus hat eine Länge von 450 mm. Die Brennweite von 1.000 mm wird mit einer 2fach-Barlowlinse erreicht, die vorne am Okularauszug eingebaut ist. Der Fangspiegel hat eine kleine Achse von 33 mm und es überraschte mich doch sehr, einen recht üppig dimensionierten Spiegelhalter mit 37 mm Durchmesser vorzufinden. Diesen könnte man durchaus der Größe des Spiegels anpassen und hätte dann auch eine geringere Obstruktion - in diesem Fall sind es 32% (gemessen am Durchmesser). Die Fangspiegel-Spinne hat drei Streben mit je sechs Millimeter Durchmesser, fällt also auch ziemlich dick aus. Der Tubus ist aus Alublech und das Tubusinnere ist - wie leider häufig üblich - mattschwarz lackiert und deshalb auch stark reflektierend. Häufig wurde schon beschrieben, das Tubusinnere mit selbstklebender Velours-Folie auszukleiden, um einen höheren Kontrast zu erhalten. Auch in diesem Falle wäre das ratsam, zumindest würde ich es an meinem eigenen Fernrohren machen. Als nächstes baute ich meine Prüftafel und den künstlichen Stern bzw. Doppelstern auf. Sofort fiel auf, dass die Schärfentiefe für eine Optik mit f/8,8 außergewöhnlich kurz ist. Aber das ist eben so, wenn die Brennweite eines f/4,5-Spiegels mit einer Barlow-Linse verdoppelt wird. Es wurden verschiedene Okulare probiert und es stellte sich heraus, dass eine recht deutliche Randunschärfe vorhanden ist. Beim Schwenk durch den künstlichen Stern verzerrt sich dieser zum Rand hin immer stärker. Am künstlichen Stern stellte ich bei höherer Vergrößerung zudem eine Dejustierung fest. In der Bedienungsanleitung wird zwar beschrieben, wie ein Newton-Teleskop justiert wird. Allerdings wird verschwiegen, wie eine Justage mit eingebauter Barlow-Linse durchgeführt wird. Glücklicherweise konnte ich die Barlow-Linse ausbauen, nachdem der Okularauszug abgenommen war und eine Justage mit dem Chesire bzw. Laserjustierer durchführen. Danach wurde am künstlichen Doppelstern bis 200fach vergrößert; hierbei konnte ich erkennen, dass das theoretische Auflösungsvermögen von 1,2 Bogensekunden erreicht werden kann.
Der 1,25"-Okularauszug besteht aus Kunststoff, die Verstellung geschieht über einen Zahnstangentrieb. Dem Gerät waren zwei Okulare der Serie "Meade MA" (dreilinsig) 9 und 25 mm beigelegt. Der Okularkörper besteht aus Kunststoff, ist also dem Billigbereich zuzuordnen. Das Gesichtsfeld beträgt ca. 50°, die Mittenschärfe ist akzeptabel. Allerdings macht sich eine gewisse Randunschärfe deutlich bemerkbar, die auch mit anderen Instrumenten feststellt wurde.
Das Gerät ist mit einem Sucher 6×30 ausgerüstet, der mit vier Schrauben justiert wird. Die Mittenschärfe ist gut, die Randunschärfe hält sich in Grenzen. Allerdings ist der Kunststofftubus innen blank und deshalb von starken Reflexionen begleitet. Hier kann übrigens mit wenig Aufwand - z.B. Auskleiden mit schwarzem Tonpapier - rasch Abhilfe geschaffen werden. Ein Fokussieren ist über die vordere Verschraubung möglich, wobei aber für das Fadenkreuz keine Scharfstellung möglich ist. Ich persönlich würde allerdings zum Ausrichten des Teleskops einen Rotpunkt-Peiler bevorzugen, das erleichtert die Orientierung erheblich.
Die Abbildungsqualität am Nachthimmel: Die Ausführung mit einer zwischengeschobenen Barlowlinse und einer Obstruktion von über 30% gilt sicher nicht als ideales Planetenfernrohr. Wer ein solches sucht, wird von diesem Instrument also enttäuscht sein. Bei der Beobachtung fällt die Randunschärfe unangenehm auf. Hätte man die Wahl, ein übliches Newton-System 114/700 mm - also ohne eingebaute Balow-Linse - zu erhalten, würde ich auf jeden Fall ein solches empfehlen. Mit dem etwas längeren Tubus würde die Montierung noch leicht zurecht kommen und bei kürzerer Brennweite hätte man zusätzlich ein größeres Gesichtsfeld (bei gleicher Vergrößerungsmöglichkeit).
Die Gerätschaften wurden mir freundlicherweise von der Firma Astroshop.de zur Verfügung gestellt.

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