Meine selbstgebaute Mittelformatkamera für die Astrofotografie
von Herbert Zellhuber
Von den Zeiss-Tessar-Objektiven ist bekannt, dass diese für Mittelformat geeignet sind. Ich besorgte mir deshalb beim Gebrauchtfotohandel eine ältere Kassette für das Format 6×9. Bei näherer Betrachtung musste ich aber feststellen, dass der Film darin doch ziemlich stark gewölbt ist und ich baute mir deshalb selbst eine Kassette. Sie wurde so konstruiert, dass sie sowohl für das 250er als auch für das 400er Objektiv verwendet werden kann. Als Filmformat wählte ich 56×76mm. Die Gehäuseteile bestehen aus 4er, 6er und 10er Aluplatten, die ich mit meiner Fräsmaschine bearbeitete. Hauptsächlich wurden kleine Schräubchen M 2 für die Montage verwendet. Es musste sehr sorgfältig gearbeitet werden, damit auch alles sauber lichtdicht war.
Handhabung
1. Film einlegen
Dazu wird das abnehmbare Rückteil entfernt, das mit zwei Schrauben gehalten wird. Nun werden die Filmspulenhalteschrauben herausgedreht und die Filmspule mit der Leerspule eingelegt. Danach kommen die Filmspulenhalteschrauben wieder zurück, wobei die beiden Spulen zentriert sind. Nun kann man den Anfang des Papierstreifens an der Leerspule einführen und das abnehmbare Rückteil wieder anschrauben. Die Andruckplatte ist dabei angehoben, wobei die Andruckschraube nach rechts bis zum Anschlag gedreht ist .
2. Fertigmachen zum Fotografieren
Das Abdeckblech ist eingeschoben und von der Transportsicherung gegen Herausfallen gesichert. Die Scheibe am Guckloch wird nun so gedreht, dass man auf die Rückseite des Films bzw. des Papierstreifens blicken kann. Jetzt dreht man das Filmtransportrad so lange, bis die Zahl "1" im Guckloch sichtbar wird (dazu wird nachts eine schwache Rotlichtlampe verwendet, damit kein helles Licht eindringen kann). Danach wird das Guckloch wieder verschlossen. Durch das Federblech sind das Filmrückspulrad und das Filmtransportrad gehemmt, dass sich die beiden Spulen nicht von allein drehen können. Dann wird die Andruckschraube langsam nach links gedreht, bis die Andruckplatte den Film leicht ans Gehäuse presst. Da der Film mit dem Papier auf der Rolle aufgewickelt war und dadurch eine gewisse Vorspannung vorhanden ist, legt sich dieser an der Andruckplatte an. Allerdings muss auch dafür gesorgt sein, dass die eventuell angesammelte Luft zwischen Film und Papier bzw. Papier und Andruckplatte entweichen kann. Deshalb ist die Filmanlage auf der Längsseite ein wenig gewölbt.
Nun wäre die Kamera bereit zur Belichtung. Am Leitrohr ist der Leitstern eingestellt und über dem Objektiv ist ein schwarzes Tuch gelegt. Dann wird das Abdeckblech entfernt und der offene Schlitz mit der Transportsicherung verschlossen, damit kein Fremdlicht auf den Film treffen kann. Es wird nochmals kontrolliert ob der Leitstern noch im Fadenkreuzokular ist, dann kann man das schwarze Tuch abnehmen und die Belichtung beginnt.
3. Das nächste Bild...
Nach Erreichen der Belichtungszeit wird das schwarze Tuch über das Objektiv gelegt und das Abdeckblech eingeschoben. Die Andruckschraube wird bis zum Anschlag gelöst, das Guckloch geöffnet und mit dem Filmtransportrad der Film bis zur Zahl "2" gebracht. Das Guckloch wird geschlossen und mit der Andruckschraube die Andruckplatte in die vordere Stellung gebracht, dass der Film am Gehäuse anliegt usw. ...
4. Unterbrechen der Belichtungsserie
Es kann vorkommen, dass nicht der ganze Film in einer Nacht belichtet werden kann. Durch das Abheben der Andruckplatte kann der Film mit dem Filmrückspulrad wieder zurückgespult und aus der Kassette entnommen werden. Selbstverständlich muss dabei das Abdeckblech eingeschoben und mit der Transportsicherung gegen Herausfallen gesichert sein. Man sollte sich auch die Anzahl der belichteten Bilder notieren, damit man beim erneuten Einlegen des Films weiß, welche Teile des Films schon belichtet sind.
Die ersten Ergebnisse mit der Mittelformatkamera
Die ersten Versuche machte ich mit der Kleinbildkamera. Beim Vergleich mit dem 80/500 stellte ich fest, dass das 400er Tessar bei weitem nicht so scharf abbildet wie der Refraktor. Besonders bei Kugelsternhaufen war dies deutlich zu sehen. Aber dafür waren die Sterne über das ganze Kleinbildformat punktförmig abgebildet - im Gegensatz zum 80/500, wo die Koma ab einem Radius von 10mm sichtbar ist.
Das erste Ergebnis mit der Mittelformatkamera war enttäuschend. Alle Bilder waren unscharf! Hatte ich etwa den exakten Fokus nicht richtig eingestellt? Ich legte das Objektiv vorerst mal zur Seite und montierte die Kassette ans 250er Tessar. Doch auch hier war die Enttäuschung groß, als ich sah, dass ab einem Radius von 20mm verzerrte Sterne zu sehen waren. Das Thema Mittelformatfotografie war somit vorerst für mich erledigt. Mit dem 250er Tessar fotografierte ich im KB-Format weiter. Das 400er Objektiv holte ich erst wieder etliche Monate später hervor. Beim Hantieren damit meinte ich ein leises "krk" zu vernehmen - sollte im Objektiv etwa...?? Also beschloss ich, das Objektiv zu zerlegen. Das war aber gar nicht so einfach. In den Schraubstock wollte ich das Teil nicht spannen, da das Gehäuse sich verziehen könnte. Mit einem Ölfilterschlüssel aus Gewebeband gelang es mir schließlich, eine Hälfte abzuschrauben. Und siehe da - tatsächlich hatte sich die Verschraubung einer Linse um 5mm gelöst! Der Fehler um die Verschiebung des Brennpunkts war also gefunden. Ich schraubte die Linse wieder an ihren angestammten Platz und sicherte das Teil mit Klebeband gegen Verdrehen. Ich stellte die Schärfe genau ein und machte ein paar Probebelichtungen. Jetzt passt es...
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