Motorrad-Touren Teil 1 (1972/73)
von Herbert Zellhuber
Die Touren mit der Honda führten mich meistens ins nahe gelegene Gebirge, wie hier bei Lermoos in Österreich...
im Ammertal bei Linderhof...
im Tannheimer Tal...
am Plansee bei Reutte...
Die Bergstraßen waren Anfang der 70er Jahre nicht alle asphaltiert, wie hier im Sellraintal.
Das Verkehrsaufkommen war gering und es gab noch die schmalen, einspurigen Holzbrücken (Sellraintal). Auf dem Schild oben am Giebel steht geschrieben:
"Holz streifen, auf der Strasse, sowie anhängen von Streifen an Fahrrädern, ist strengstens verboten"
Die Europabrücke gab es schon seit zehn Jahren.
Die Timmelsjoch-Hochalpenstraße auf der österreichischen Seite war sehr gut ausgebaut. Um so mehr überraschte es mich, dass auf italienischer Seite die Straße nicht mal asphaltiert war. Durch die Tunnels, die nicht beleuchtet waren, kam etliches Wasser von oben. Ich musste auch immer wieder faustgroßen Steinen ausweichen. Das Fahren im ersten Gang war obligatorisch!
Die Moto Guzzi V7 Sport war für mich, damals wie heute, eine der schönsten je gebauten Motorräder.
Die Wartungsarbeiten führe ich alle selbst durch. Da ich mich als Feinmechanikerlehrling sehr für die Motorentechnik interessierte, zerlegte ich während der Wintermonate den Motor. Leider musste ich feststellen, dass ein Kolbenring gebrochen war. Die Zylinder mussten deshalb neu geschliffen werden und ich benötigte neue Kolben. Als weiteres musste ein Ventil mit Ventilsitz nachgearbeitet werden und die Steuerkette wurde ausgewechselt, da der Kettenspanner brach und diese beschädigte.
Ernst Leverkus schrieb ein Buch über Honda-Motoren, das mir bei der Reparatur eine große Hilfe war.
Pünktlich zum Frühling war auch der Motor wieder im Rahmen. Ich habe dabei eine Menge gelernt. Gelegentlich musste ich mir natürlich Rat bei einem erfahrenen Mechaniker holen, der mir aber immer gerne weiterhalf.
Die ersten Touren führten mich zur Silvretta-Hochalpenstraße. Sehr beeindruckt war ich von den schön angelegten Kurven. Da es solchen Spaß machte, fuhr ich die Strecke gleich mehrere Male ab.
Im Herbst 2006 fuhr ich die Strecke ein weiteres Mal mit der BMW R 60/7 ab. Da die Hänge mittlerweile stark verbuscht sind, kann man auch den Straßenverlauf nur noch teilweise einsehen.
Silvretta-Stausee
Paznauntal
Flexenpass am Arlberg
Irgendwann im Sommer 1973 war dann die nächste Reparatur fällig. Diesmal ging die Lichtmaschine kaputt (Bildmitte unten, die kleinere Kette führt zum Anlasser). Glücklicherweise war ich nicht weit von meinem Heimatort entfernt und konnte von einem Kollegen abgeschleppt werden. Dass ich eine neue Lichtmaschine schon nach ein paar Tagen hatte, war reiner Zufall. Der Hondahändler hatte eine neue 250er Honda (nahezu baugleich mit der 350er) gekauft, die er in Teilen zerlegte und diese für sein Ersatzteillager verwendete.
Von japanischen Motorrädern und deren Reparaturanfälligkeit hatte ich langsam die Nase voll. Auch die offen laufende Antriebskette war mir mittlerweile ein Dorn im Auge. Meiner Ansicht muss eine Antriebskette vor Wasser und Dreck geschützt sein (hier zeige ich ein paar Bilder von gekapselten Kettenkästen an Motorrädern).
Das Motorrad wurde Anfang der 70er Jahre vom reinen Fortbewegungsmittel mehr und mehr zu einem Freizeitgerät. Die Japaner lernten schnell, welche Maschinen die Leute haben wollten. Ein ansprechendes Äußeres, modern und mit sportlichem Touch - so sollte es sein. Vor allem Motorräder mit vier Zylindern waren "in". Hohe Motorleistung ließ sich leichter an den Mann bringen und wer eine solche Maschine billiger anbieten konnte als der Konkurrent, verkaufte eben mehr davon. Deshalb wurde billiger produziert, aber gleichzeitig stiegen Motorleistung und Drehzahl an. Diese Verkaufsstrategie musste aber zwangsläufig zu Qualitätseinbußen führen, die hochgezüchteten Motoren wurden anfälliger und hatten eine geringere Lebensdauer. Las man die Fahrberichte und Tests in der Zeitschrift DAS MOTORRAD, so kamen noch eltiche andere Mängel zu Tage. So verdienten manche Stoßdämpfer kaum ihren Namen, Schwingenlager waren aus verschleißanfälligem Kunststoff - um nur zwei Beispiele zu nennen.
Da Hersteller und Händler möglichst viele Motorräder verkaufen wollten, gab es häufige Modellwechsel. Hatte man sich eine japanische Maschine gekauft, so war das bald schon wieder ein Auslaufmodell. Außerdem war der Wiederverkaufswert solcher Geräte gering. Durch diese Vielfalt der Angebote war zudem der Service und die Ersatzteilversorgung schlecht. Es war beileibe kein Einzelfall, dass es das erste Jahr so gut wie keine Ersatzteile gab und ab dem zweiten schon gar keine mehr. Mit einer solchen "Philosophie" konnte ich mich jedenfalls nicht anfreunden. Ein japanisches Motorrad kaufte ich deshalb nur einmal und dann nie wieder.
Da ich eine zuverlässige Reisemaschine brauchte, besann ich mich auf eine BMW R 75/5. Bekanntlich ist deren Motor nicht hochgezüchtet und hat zudem den wartungsfreien Kardanantrieb. Außerdem kann man sich über viele Jahre auf die Ersatzteilversorgung verlassen.
Fortsetzung Motorradtouren (Teil 2)
zurück