Motorrad-Touren Teil 12 (2011)
von Herbert Zellhuber
Riegsee bei Murnau
Löwenzahnwiese bei Böbing, im Hintergrund der Hohenpeißenberg
Altenau
Ammertal
Inntal bei Landeck
Ofenpass
Auffahrt zum Umbrail-Pass; wenn man noch ein paar Motorräder als Fotomotiv sucht, braucht man nicht lange zu warten.
Auf der Stilfserjoch-Passhöhe (2757 m) sind fast mehr Motorräder als Autos zu sehen. Da geht's zu wie auf einem Jahrmarkt: Souvenirläden, Würstelbuden usw... Trotzdem war es schön, mal wieder hier gewesen zu sein.
Plansee
Haldensee in Tirol
Am Walchensee
Bei der letzten Tour in diesem Jahr musste ich feststellen, dass die Nadel des Drehzahlmessers ziemlich unruhig wurde und außerdem quietschte es sonderbar aus dem Gehäuse. Ich trennte deshalb den Antrieb, damit der Drehzähler nicht ganz kaputt geht. Leider konnte auf Anfrage bei BMW dieses Zulieferteil von der Firma Motometer nicht mehr geliefert werden. Nun gut, ich kann auch ohne dieses Instrument auskommen. Vielleicht lasse ich es irgendwann mal reparieren.
Und die weiteren Aussichten...
Da fragte mich mal wieder jemand, wann ich meine R 60/7 verkaufe und mir ein neues Motorrad zulegen werde. Die Maschine hat schließlich schon über 30 Jahre auf dem Buckel. Eine Neue? Warum eine Neue? Ich wüsste gar nicht, welches Motorrad ich nehmen sollte. Beim Durchblättern des Motorradkatalogs von 2011 stelle ich fest, dass gar keine klassischen Motorräder mehr gebaut werden - mal abgesehen von der Moto Guzzi V7 Classic und der Kawasaki W 800. Offensichtlich fehlt bei den jungen Leuten das Interesse an solche Maschinen. Kunststoffverkleidete Pseudorennmaschinen mit offen laufender Antriebskette (wie es schon die Veteranen hatten) sieht man zwar oft, sind aber nicht mein Geschmack. 200 PS und 300 km/h? Oder der "Supertourer mit seidenweichem Sechszylinder" und 400 kg Gewicht? Nein danke! Dass sowas überhaupt durch den TÜV kommt? Die sind doch sonst immer so pingelig, wenn es um "Sicherheit im Straßenverkehr" geht.
Also mir reichen die 40 PS völlig. Schnelle Autobahnfahrten mag ich nicht und auf den Landstraßen sind eh 100 angesagt - und da wird immer öfter kontrolliert. Die vielen PS könnte ich also höchstens mal zum Überholen brauchen - gelegentlich. Viel wichtiger ist mir ein hoher Fahrkomfort. Eine Tagesfahrt mit 500 km oder mehr ist mit dieser Maschine nach wie vor leicht machbar.
Das neumodische Zeugs hat nach meinem Geschmack auch zu viel Elektronik. An der R 60/7 kann ich noch alles selbst warten und reparieren. Diese Maschinen haben eine beherrschbare Technik und die meisten Ersatzteile habe ich schon am nächsten Tag. Es gilt nicht nur der alte Spruch "BMW - aus Freude am Fahren" sondern auch "BMW - aus Freude am Schrauben". Sämtliche Wartungsarbeiten mache ich gerne, es gehört bei mir einfach zum Hobby Motorradfahren dazu.
Meiner Ansicht ist die R 60/7 das ausgewogenste Motorrad, das BMW je gebaut hat! Nicht umsonst war sie als Behördenkrad in vielen Ländern der Erde begehrt und für ihre sprichwörtliche Zuverlässigkeit, Alltagstauglichkeit und Langlebigkeit bekannt. Die wenigsten Leute wissen, dass diese Maschine eine hervorragende Laufkultur hat. Wenn jemand die Nase rümpft wegen "nur" 26 mm Mischkammer-Durchmesser und der "zahmen" Nockenwelle kann ich nur den Kopf schütteln. Junge, du hast keine Ahnung! Das ist nötig, um "Dampf" aus untersten Drehzahlen zu haben - und das hat diese Maschine! Man kann im 3. Gang die Drehzahl problemlos bis auf 2000/min (ca. 35 km/h) abfallen lassen und dann das Gas aufziehen, ohne dass die Maschine unwillig schüttelt. Im 4. Gang geht das ab 2500/min (ca. 50 km/h). Die hubraumstärkeren Maschinen mit 750, 900 und 1000 cm³ von BMW haben zwar die aufwändigen Gleichdruckvergaser, kommen aber trotzdem nicht an das kultivierte Laufverhalten der 600er ran.
Ein weiteres Argument für diese Maschine ist, dass Kurbelwelle, Kupplung, Getriebe, Wellenantrieb und Hinterachsgetriebe für die höhere Belastung der 1000er ausgelegt sind. Die Motorleistung und das Drehmoment sind bei der 600er geringer, deshalb kann eine höhere Lebensdauer dieser Bauteile erwartet werden. Auch eine schonende Fahrweise wird einem der Motor danken. Bekanntlich mag dieser Stoßstangen-Ventiltrieb keine hohen Dauerdrehzahlen, längere Vollgasfahrten wurden dieser Maschine deshalb nie zugemutet.
BMW-Motorräder aus den 70er Jahren sieht man im heutigen Straßenverkehr übrigens noch relativ oft - im Gegensatz zu den gleichaltrigen Japanern (da gibt es teilweise nicht mal mehr neue Auspuffanlagen oder andere wichtige Verschleißteile!). Ich werde also meiner R 60/7 die nächsten Jahre noch treu bleiben...
Allerdings hört man die letzte Zeit immer öfter, dass die Ersatzteilpreise zum Teil kräftig angezogen haben. Gleichzeitig ist die Qualität deutlich geringer geworden, denn hauptsächlich werden die Teile in Billiglohnländern hergestellt. Ist das ein Zeichen, dass nun auch bei BMW eine völlig andere Manager-Generation das Sagen hat? Wenn das so weiter geht, werde ich das Motorradfahren wohl nicht aus "Altersgründen" aufgeben, sondern eher daran, dass sich eine Instandhaltung des Motorrades wegen mangelhaften und viel zu teuren Ersatzteilen nicht mehr lohnt.
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