Das MUM-Astrobino 80/500

von Herbert Zellhuber

First Light am 27. November 1997

Auf den ersten Blick sieht dieses Bino sicher etwas seltsam aus, im Gegensatz zu einem Feldstecher im herkömmlichen Stil. Die auffälligsten Merkmale sind der 90°-Einblick und die Anordnung der Objektive - eins ist hier nach unten und hinten versetzt. Der 90°-Einblick ist ja noch leicht zu verstehen: Zenitbeobachtung ist damit wesentlich bequemer, aber warum sind die Objektive versetzt? Nun, man muss sich dieses Bino als eine Art Doppelrefraktor mit Zenitspiegeln vorstellen. Um den Augenabstand von 65mm zu erreichen und dass die optische Achse fluchtet, wurde das andere Objektiv nach unten versetzt. Wie man an der Zeichnung sieht, ist dieses Objektiv auch noch zurückgesetzt und ein größerer Umlenkspiegel eingebaut, so dass beide Bilder gleichmäßig ausgeleuchtet sind. Der Vorteil dieser Bauart gegenüber Prismen ist eine bessere Bilddefinition, die auch eine höhere Vergrößerung zulässt. Eine mehrfache Umlenkung des Lichtes durch Prismen bewirkt eben einen gewissen Verlust der Abbildungsqualität. Die Nachteile bei meinem Gerät sind allerdings ein spiegelverkehrtes Bild und terrestrische Beobachtung ist nur bedingt möglich, da erst ab ca. 250m keine versetzten Doppelbilder mehr entstehen. Warum ich dieses Instrument MUM-Astrobino taufte? Ganz einfach: es sind die Anfangsbuchstaben der Vornamen von Martin Birkmeier, er gab mir den Tip zur Konstruktion; Uwe Karg schenkte mir seinen alten, leicht beschädigten großen Umlenkspiegel und Michael Mushardt überließ mir die beiden Mikroskopokulare zum Freundschaftspreis.
Als Standardvergrößerung verwende ich 30fach bei einem Gesichtsfeld von 2°, mit einem Peiler russischer Bauart und spiegelverkehrt gedruckten Computeraufsuchkarten finde ich mich gut zurecht. Zum Beobachten von Emissionsnebeln in Verbindung mit Nebelfiltern vergrößere ich allerdings nur 16 oder 20fach, eine größere Austrittspupille hat hier gewisse Vorteile. Problemlos kann man auch 40 und 50fach vergrößern, ich benutze diese Vergrößerung aber eigentlich nur bei Sonnen- und Mondbeobachtung. Beim Mond fällt natürlich gleich die chromatische Aberration des kurzbrennweitigen "Fraunhofers" auf. Entlang der Hell-Dunkelzone erkennt man deutlich den Violett- und Gelbsaum. Mit einem hellen Gelbfilter kann hier leicht Abhilfe geschaffen werden. Mit diesen Filtern ist das grelle Licht des Mondes auch noch etwas gedämpft, die "Farbe" fast gänzlich verschwunden und zudem ist das Beobachten mit beiden Augen wesentlich angenehmer, da die Augen gleich stark belastet werden.



Natürlich bietet das binokulare Sehen auch bei der Deep-Sky-Beobachtung wesentliche Vorteile. Damit lässt sich entspannter beobachten und es werden 80mm Öffnung für beide Augen geboten. Man erkennt den Vorteil des binokularen Sehens gleich an der visuell erreichbaren Grenzgröße. Ein Beispiel: Mit einem Auge gesehen ist der Sternhaufen NGC 188 im Sternbild Cepheus ein schwaches, flaues Fleckchen. Beidäugig ist dieses Fleckchen wesentlich leichter zu erkennen, es lassen sich auch schon die hellsten Sterne in diesem Sternhaufen auflösen. Klar, es stehen effektiv 110mm Refraktoröffnung zur Verfügung - manche meinen sogar, es wären mehr.

Bei meiner Konstruktion ist der Augenabstand nur in engen Grenzen einstellbar. Um den mechanischen Aufwand niedrig zu halten, berücksichtigte ich nur meinen persönlichen Abstand von 65mm. Möchte man jeden beliebigen Augenabstand einstellen und dabei auch exakt deckungsgleiche Bilder haben, so muss die Mechanik so gebaut werden, dass ein Rohr komplett mit Objektiv, Umlenkspiegel und Okular seitlich parallel verschoben werden kann. Die Justage eines Bino kann eine ziemlich knifflige Sache sein, ich rate deshalb folgendes: Zunächst werden die Objektive, Umlenkspiegel und Okularauszüge exakt eingestellt, ein Chesire-Justierokular mit integriertem Fadenkreuz leistet hier hilfreiche Dienste. Danach werden durch Verschieben der Rohre zwei deckungsgleiche Bilder am Sternhimmel hergestellt, wobei sich die Justage links und rechts natürlich nicht verändern darf. Ich muss dazu sagen, dass ich bei dieser Konstruktion das Justieren der Objektive und der Rohre zueinander leichtsinnigerweise nicht weiter berücksichtigte. Ich setzte darauf, dass mit exakt bearbeiteten und parallel stehenden Rohren auch die Justage des Objektivs stimmt. Da die Objektive jedoch nicht genau gleich gefasst sind (Fertigungstoleranzen), gelang mir eine präzise Justage erst, nachdem ich die Objektive miteinander vertauschte - das war aber mehr oder weniger Zufall. Aus dieser Erfahrung kann ich nur empfehlen, auf volle Justierbarkeit zu achten.
Bei meinem Bino können auch 2"-Okulare eingesetzt werden, falls diese im Außendurchmesser nicht größer als 65mm sind. So wäre mit einem 40er Okular eine Vergrößerung von 12,5fach bei einem Gesichtsfeld von über 5° möglich. Deren Fokussierung ist allerdings nur durch verschieben der Okulare und festklemmen mit einer Rändelschraube möglich; bei 1¼"-Okularen wird mit einem Drehfokussierer scharfgestellt. Ebenso sind Filter mit Gewinde M 48×0,75 einsetzbar. Die azimutale Gabelmontierung wurde von mir so konstruiert, dass das Beobachten nicht durch irgendwelche lästige Klemmen beeinträchtigt wird. Das Bino liegt dabei mit den aufgesetzten Taukappen sauber im Schwerpunkt und durch die einstellbaren Teflonlager lässt es sich ruckfrei in jede gewünschte Richtung schwenken. Zum Transport kann die Gabel mitsamt dem Bino durch Lösen einer Rändelschraube vom Dreibein abgenommen werden. Auch meinen stufenlos höhenverstellbaren Beobachtungsstuhl möchte ich keinesfalls mehr missen, trägt er doch wesentlich zum entspannten Beobachten bei. Zur Herstellung des Instruments ist zu sagen, dass mir meine kleine Hobbydrehbank eine große Hilfe war. Besonderen Spaß machte es mir auch hier wieder, den vielen Aluminiumschrott einem wertvollen "Recycling" zuzuführen.

Gelegentlich gestellte Fragen

Gab es nach einiger Zeit am MUM-Bino noch etwas zu verbessern?
Ja, bei einem Teleskoptreffen stellte jemand fest, dass sich der obere Lagerbock (siehe Bild links) beim Schwenken nach vorne bzw. hinten ca. 0,5mm bewegt. Ich habe der Schraube wohl etwas zu viel Spiel gegönnt. Daraufhin schraubte ich je zwei kleine Bleche an. Als weiteres war es lästig, jedes Mal den Schraubenzieher zu holen, wenn die Lagerung zu locker oder zu stramm eingestellt war. Ich drehte mir deshalb zwei Rändelschräubchen, mit denen der Andruck schnell einstellbar ist.

Wie hast du das Azimutlager hergestellt?
An der unteren Platte der Gabel bohrte ich drei Löcher und presste runde Teflonstöpsel ein. In der Mitte ist das Drehlager eingeschraubt, in welches vorne ein Vierkant angefräst ist. Wenn die Gabel aufs Dreibein gesetzt ist, wird die Edelstahl-Tellerfeder im Ø 85mm von unten in das Vierkant gelegt und mit der Rändelmutter angeschraubt. In die Tellerfeder sind ebenfalls drei Teflonstöpsel eingepresst. Mit der Rändelmutter wird der richtige Andruck eingestellt. Das Vierkant ist nötig, damit sich die Rändelmutter beim Schwenken nicht auf- bzw. festdrehen kann.

Haben beide Objektive exakt die selbe Brennweite?
Der Unterschied beträgt 2mm. Meiner Ansicht könnte die Differenz auch 10mm oder sogar mehr betragen, bis das Auge die unterschiedlich großen Bilder feststellen kann.

Sind die Bilder auch bei höchster Vergrößerung noch deckungsgleich?
Bei der Verwendung von 5mm-Okularen kann das Bild durch Drehen der beiden 2"-Einsätze zur Deckung gebracht werden. Das ist ohne besondere Schwierigkeiten schnell geschehen.

Sieht man bei der Planetenbeobachtung mit beiden Augen mehr als mit einem?
Ich kann bestätigen, dass auch bei der Planetenbeobachtung mit beiden Augen mehr Einzelheiten erkennbar sind. Ganz deutlich sieht man das bei Saturn. Während mit einem Auge die Cassini-Teilung für mich nicht zu erkennen ist, kommt sie mit beiden Augen sehr deutlich heraus.

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