Okulare selbst gebaut

von Herbert Zellhuber

So mancher wird bisher gedacht haben, dass der Selbstbau von Okularen nicht möglich ist bzw. sich nicht lohnt. Wie man sehen wird, ist der Bau eines Okulars relativ einfach. Günstig ist es natürlich, wenn man eine Drehbank zur Verfügung hat - oder jemanden kennt, der einem diese Drehteile anfertigen kann.
Mein erstes Okular baute ich aus einer 7fach-Vergrößerungslupe. Ich stellte fest, dass die zweilinsige Lupe eine Brennweite von ca. 36 mm hat. Zum Berechnen der Brennweite eines Okulars hält man dieses an den Okularauszug des Fernrohres und misst die Austrittspupille mit einer Schieblehre. Am besten richtet man dazu das Fernrohr gegen den Taghimmel (nicht in die Sonne!) oder gegen eine helle Wand. In diesem Fall war es ein Durchmesser von 5,8 mm. Multipliziert man den Durchmesser der Austrittspupille (5,8 mm) mit dem Öffnungsverhältnis des Fernrohres (hier 6,25:1) erhält man die Brennweite des Okulars (5,8 mm × 6,25 = 36,25 mm). Man darf von solch einem einfach aufgebauten Okular natürlich keine Wunderdinge erwarten. Aber als Übersichtsokular - zum Aufsuchen der Objekte bei niedriger Vergrößerung - ist es zu gebrauchen. Nur wer ein sehr begrenztes Budget hat wie z.B. mancher Schüler oder Student, kann der Bau eines solchen Billigokulars angeraten werden.
Eine bessere Möglichkeit ist es, aus einem kaputten Feldstecher das Okular auszubauen. Man dreht noch eine geeignete Steckhülse und fertig ist das Okular. Je nach Qualität des Feldstechers kann das ein recht gutes Okular sein!
Ein weiteres Okular baute ich aus einem defekten Zielfernrohr. Es wurde homofokal zu meinem Fadenkreuzokular hergestellt und wird beim Fotografieren als Übersichtsokular verwendet. Dieses Okular mit einer Brennweite von 40 mm bietet den Vorteil eines großen Augenabstands. Bekanntlich muss bei einem Zielfernrohr das Auge weit genug vom Okular weg sein, denn je nach Art der Waffe kann der Rückstoß enorm sein. Dieses Okular ist deshalb auch Brillenträgern zu empfehlen.
Einen weiteren Versuch machte ich aus einem Projektionsobjektiv von einem Filmprojektor, den ich in einem Schrottcontainer fand. Bei einer Brennweite von 50 mm musste eine Steckfassung mit 2 Zoll angefertigt werden. Die Qualität ist bemerkenswert, wenn auch das Gesichtsfeld geringer ist als bei einem Okular das 650.- DM kostet.
Also, das nächste Mal aufpassen wenn ihr ein Optisches Gerät im Müll liegen seht! Von so manchem Kopierer, Vergrößerer, Mikrofilmgerät usw. lässt sich oft noch etwas basteln.


Aus einer 7fach-Vergrößerungslupe, einem defektem Feldstecher, einem Zielfernrohr mit kaputter Umkehrlinse oder einem Projektionsobjektiv aus dem Schrottcontainer kann man sich durchaus brauchbare Okulare herstellen.


Die fertigen selbstgebauten Okulare

zur Startseite