Das typische Einsteiger-Teleskop: Das Newton Omegon 130/920 mit der Montierung EQ-2
von Herbert Zellhuber
Es stand ein Paket in der Größe 25x50x108 cm und 18,5 kg Gewicht bereit. Darin befand sich das Newton 130/920 Omegon mit der Montierung EQ-2, das als typisches Einsteiger-Teleskop gilt. Der Kaufpreis beträgt 169 Euro (März 2009). Beigelegt war eine Englischsprachige Bedienungsanleitung.
Abb. 1: Das Omegon 130/920 mit der Montierung EQ-2
Das Dreibein in Aluminium-Ausführung wiegt 2 kg. Nach dem Aufspreizen der Beine kann man eine Okularablage mit drei Flügelschrauben befestigen (Abb. 2). Für so manchen Beobachter wird diese Schrauberei allerdings bald etwas lästig sein, zumal man die Schräubchen bei Dunkelheit leicht verlieren kann. Man kann eine Höhe von 72 bis 125 cm einstellen, mit je einer Flügelschraube werden die Ausziehbeine geklemmt. Mit einer mittigen Sterngriffschraube wird die Montierung befestigt.
Abb. 2: Das eingeklappte Stativ mit der anschraubbaren Okularablage
Die Montierung ist unter dem Namen EQ-2 bekannt. Es ist eine parallaktische, deren Gehäuse aus Aluguss bestehen. Für das Einstellen der Polhöhe ist eine Skala angebracht und wird mit einer Knebelschraube eingestellt. Mit einer weiteren Knebelschraube ist der Polblock arretierbar. Die Polachse hat ein Schneckengetriebe, über ein Treibrad oder einer biegsamen Welle kann nachgeführt werden. Die Dec-Achse hat einen Tangentialarm, welcher ebenfalls per biegsame Welle bewegt wird. Beide Achsen sind durch Lösen einer Sternschraube frei in jede Richtung drehbar.
Schon beim ersten Blick auf die 2 kg leichte Montierung war ich skeptisch, ob sie einen Tubus mit 4 kg und ein ebenso schweres Gegengewicht anstandslos trägt. Die ersten Tagbeobachtungen zeigten deutlich, dass die Montierung mit diesem Gewicht deutlich überfordert ist. Man musste schon sehr vorsichtig am Okularauszug drehen, damit sich die Ausschwingdauer in Grenzen hält. Eine Steifigkeitsmessung brachte dann ein ernüchterndes Ergebnis. Am Polblock wurde eine Aufnahme angeklemmt und die Messuhr an das Dec-Gehäuse gelegt. Mit einem Kraftmesser wurde mit 15 N auf die Gegengewichtsachse. Dabei konnte ich an der Montierung eine Verbiegung von 0,1 mm ablesen (Abb. 3).
Abb. 3: Steifigkeitsmessung an der EQ-2. Der Maßstab wurde mit abgebildet, um die Abstand-Verhältnisse zu dokumentieren. Eine zweite Messuhr war am Dreibein angelegt, auch hier konnte man einen Ausschlag registrieren.
Beim Aufladen des 4-Kilo-Gegengewichts fand dann gleich eine Verbiegung von 0,35 mm (!) statt. Das ist zu viel für diese Montierung! Ich persönlich würde empfehlen, sie höchstens mit 2-3 kg zu beladen. Für ein 150-mm-Newton sollte man also mindestens eine Montierung in der Größe einer EQ-3 nehmen. Anhand des Verkaufskatalogs wird zu diesem Teleskop die EQ-3-Montierung für einen Mehrpreis von 20 Euro angeboten. Man sollte also unbedingt dieses Angebot vorziehen. Im letzten VdS-Journal stellte ich die MON-1 vor, auch dort nahm ich eine Steifigkeitsmessung vor (Abb. 4). Bei derselben Belastung bewegte sich die Messuhr nur im Bereich eines Hundertstel Millimeter.
Abb. 4: Steifigkeitsmessung an der MON-1, bei der Belastung von 15 N bewegte sich die Messuhr im Bereich von 0,01 mm, also um den 10fach geringeren Wert wie bei der EQ-2
Die beiden Rohrschellen aus Aluguss werden mit je zwei Zollschrauben befestigt. Bekanntlich sind diese im deutschsprachigen Raum nicht in jedem Laden um die Ecke erhältlich, man sollte sie deshalb nicht verlieren. Die Steifigkeit ist akzeptabel, allerdings war an einer Schelle das Gewinde um mehrere Millimeter versetzt (Abb. 5). Das Einschrauben musste mit viel Gefühl geschehen, sonst wäre das Gewinde schon beim ersten Gebrauch ruiniert. Bei solchen Fehlern sollte man unbedingt beim Händler reklamieren.
Abb. 5: Die rechte Rohrschelle war verbogen, das Gewinde um einige Millimeter versetzt
Die Optik 130/920 hat einen Fangspiegel mit 33 mm Durchmesser, somit beträgt die Obstruktion 25%. Die Fangspiegel-Spinne ist ein stabiles, angeschraubtes Alugussteil; die vier Streben sind je 4 mm dick. Die 100%-Ausleuchtung beträgt 7,5 mm, das reicht für 1,25-mm-Okulare völlig aus. Leider fiel der Okularauszug (Antrieb über Zahnstange) gleich unangenehm auf, da das Auszugsrohr (Kuststoff mit aufgedampfter Metallschicht) wackelte. Wieder kam die Messuhr zum Einsatz und offenbarte 2 mm "Luft", als der Auszug bei 47 mm ganz ausgefahren war (Abb. 6). Bei der Beobachtung braucht er zwar nur 34 mm ausgefahren sein, da sind es aber immerhin auch noch 1 mm - allein schon bei leichtem Fingerdruck. Eine Überprüfung der Justage mit einem Laserjustierer macht daher keinen Sinn, es wurde nur die "Augenpeilmethode", wie sie auch in der Bedienungsanleitung beschrieben ist, angewendet.
Abb. 6: Der Okularauszug hatte kräftiges Winkelspiel
Der Tubus besteht aus Alublech, deren Innenseite mattschwarz lackiert ist. Erste Prüfungen an der Prüftafel ergaben ein etwas flaues Bild. Ein Blick ins Innere des Okularauszugs ließ eine stark reflektierende Fläche erkennen. Nachdem der Auszug ausgebaut war, legte ich zusammengerolltes schwarzes Tonpapier an die spiegelnden Flächen, was dann ein deutlich kontrastreicheres Bild ergab. Sicher wäre der Kontrast noch weiter zu verbessern, wenn man die Innenseite vom Tubus mit schwarzem Velours auskleidet. Am künstlichen Doppelstern konnte das theoretische Auflösungsvermögen von 0,9 Bogensekunden bei einer 260fachen Vergrößerung (AP=0,5 mm) erreicht werden.
Die beigelegten dreilinsigen Kellner-Okulare 10 und 25 mm ergeben eine Vergrößerung von 92- und 37fach. Sie haben einen Kunststoffkörper und besitzen ein Gesichtsfeld von ca. 45°. Die Mittenschärfe ist gut, die Randschärfe akzeptabel. Für den Anfang reichen solche Okulare, allerdings wird man sich schon bald etwas mehr Gesichtsfeld wünschen.
Sehr erfreulich war der Leuchtpunkt-Peiler mit regulierbarer Helligkeit. Mit zwei Rändelschrauben kann der Leuchtpunkt leicht justiert werden. Nach Ansicht vieler Beobachter ist die Orientierung damit am Nachthimmel wesentlich einfacher als mit einem 6x30-Sucher - auch ich kann dies bestätigen (Abb. 7).
Abb. 7: Der Leuchtpunkt-Peiler stellt ein sehr praktisches Zubehör dar, das sinnvoller erscheint als ein billiger 6x30-Sucher
Eigene Beobachtungen am Nachthimmel zeigten, dass ein 150-mm-Newton für einen Anfänger schon ein respektables Instrument zur Deep-Sky-Beobachtung ist. Es werden sicher etliche Jahre der Übung nötig sein, bis man die volle Leistungsfähigkeit (vorausgesetzt man hat entsprechend gute Verhältnisse) nutzen können wird. Allerdings sollte man unbedingt eine stabilere Montierung (mindestens EQ-3) für ein Gerät dieser Größe haben. Ich selbst habe bei absoluter Windstille beobachtet; das ging zwar, aber schon bei mäßigem Wind werden schnell die Schwächen der EQ-2 deutlich. Mich hätte interessiert, wie bei einer größeren Montierung das Schwingungsverhalten gewesen wäre.
Die Gerätschaften wurden freundlicherweise von der Firma Astroshop.de zur Verfügung gestellt
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