Der Refraktor 80/500

von Herbert Zellhuber

Anfangs hatte ich eigentlich nur vor, mit dem Zeiss-Objektiv 80/500 ein Spektiv zu bauen. Es war von Anfang an geplant, das Instrument so zu konstruieren, dass es auch im Rucksack bei Bergwanderungen mitgenommen werden kann. Die azimutale Gabelmontierung kann deshalb mit wenigen Handgriffen vom Holzdreibein abgeschraubt und an höhenverstellbare Wanderstöcke montiert werden. Solche Stöcke sind bei vielen Bergwanderern beliebt. Sie sind eine praktische Steighilfe und beim Abstieg werden die Gelenke geschont.


Der 2"-Okularauszug ist dem spielfreien Friktionstrieb nach Crayford nachgebaut. Für dieses Präzisionsteil ist Geduld und genaues Arbeiten sowie eine Drehbank und Fräsmaschine nötig. Die wichtigsten Maße zeichnete ich von einem fertigen Industrieprodukt ab. Das Zenitprisma (Dachkantprisma mit 36mm Lichtdurchlaß) nimmt 2"-Okulare auf und liefert seitenrichtige und aufrechte Bilder. Somit kann es auch zur terrestrischen Beobachtung verwendet werden. Mit einem 40er 2"-Okular werden 5° Gesichtsfeld bei einer Vergrößerung von 12,5fach erreicht. Für hohe Vergrößerungen wird ein Zenitspiegel für 1¼"-Okulare verwendet. Zur Planetenbeobachtung mit einem 5mm-Okular erreicht man eine 100fache Vergrößerung.

Will man an einem Refraktor möglichst guten Kontrast erreichen, so dürfen keinerlei Reflexionen von der Tubusinnenwand das Okular erreichen. Deshalb wurden kreisrunde Blenden eingebaut. Den Innendurchmesser und den Abstand der Blenden zueinander kann man zeichnerisch ermitteln. Das Tubusinnere und die Blenden wurden mit mattschwarzer Farbe lackiert.

Nach einigen Exkursionen im Gebirge - wobei ich tolle Nächte mit Hochgebirgshimmel erlebte - stellte ich fest, dass mit einem 2"-Auszug das Fernrohr doch etwas schwer ist. Ich baute mir deshalb noch eine leichtere Version, nur für 1¼"-Okulare (der Okularauszug hat wieder den spielfreiem Friktionstrieb); somit wiegt das Fernrohr mit der Montierung unter 2,5 kg. Das Objektiv kann ja problemlos ans andere Fernrohr geschraubt werden. Ich bastelte mir noch ein kleineres 90°-Zenitprisma mit einem Dachkantprisma, um auch hier ein aufrechtes und seitenrichtiges Bild zu erhalten.


Sonnenbeobachtung bei der Hirtenhütte unterhalb der Hochplatte (Ammergebirge)

Mittlerweile baute ich die drei Streben an der Montierung ab und ersetzte diese durch ein Alurohr. Der Refraktor ist auch schnell von der Montierung abgebaut, um ihn als Leitrohr beim Fotografieren benutzen zu können.

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