Thema Sicherheit - welche Risiken geht ein Amateurastronom beim Beobachten in freier Natur ein?

von Herbert Zellhuber

So mancher Sternfreund fährt zum Beobachten aus der Stadt raus aufs Land, um einen dunkleren Himmel zu haben. Oft sind die Beobachtungsorte an Feldwegen oder anderen abgelegenen Plätzen. Aber wie sicher sind diese Orte bei Nacht? Was ist, wenn man nun überfallen und ausgeraubt wird? Was wäre, wenn ein Auto heranfährt, Leute aussteigen und mit hellen Taschenlampen und Knüppeln in der Hand näher kommen? Das wäre wohl der Alptraum jedes Sternguckers! Sollte man sich nun den Angreifern entgegenstellen oder wäre es vernünftiger, die Gerätschaften zu opfern und das Weite suchen, um wenigstens die eigne Gesundheit zu retten?
Aber wie groß ist eigentlich das Risiko, überfallen zu werden? Bislang ist in Deutschland erst ein Fall bekannt geworden, bei dem ein Sternfreund überfallen wurde. Beim Fotografieren eines schwachen Nordlichts wurde er auf einem Parkplatz in der Nähe einer Tankstelle von mehreren Jugendlichen brutal niedergeschlagen und seiner Ausrüstung beraubt. Man könnte nun fragen, wie sich solche Überfälle vermeiden lassen. Sollte man eine Gaspistole (bei der mittlerweile der “kleine Waffenschein” benötigt wird), Pfefferspray oder Tränengas griffbereit halten? Oder geben solche Waffen nur eine Scheinsicherheit? Einesteils ja, denn hat man eine solche Waffe bei einer ernsthaften Bedrohung in der Hand, muss man auch bereit sein, sie gegen Menschen einzusetzen. Bei der Verwendung dieser Verteidigungswaffen sollte auch deren Wirkung bekannt sein. So müssen die Windeinflüsse mit einbezogen werden, so dass man beim Gebrauch sich nicht selbst noch kampfunfähig macht. Vielfach sind solche Waffen deshalb auch umstritten.
Wollen wir uns aber zunächst der Wahl des Beobachtungsortes zuwenden. Erstmal sollte man von einer viel befahrenen Straße aus nicht gesehen werden. Da die Lichter der vorbeifahrenden Autos bei der Beobachtung eh stören, wird man daher sowieso Abstand halten und sich an einem abgelegenen Ort aufhalten. Viele Beobachter “verstecken” sich deshalb und verhalten sich dabei möglichst unauffällig (kein Licht, kein Lärm). Wenn also niemand weiß, dass man dort ist, kann folglich auch kein Überfall geplant werden. Dass jemand bei Dunkelheit hinter einem Busch Amateurastronomen auflauert, um sie dann zu überfallen, kann deshalb so ziemlich ausgeschlossen werden.
So mancher Sternfreund zieht es vor, in der Nähe eines Hauses, z.B. eines landwirtschaftlichen Anwesens zu beobachten. In diesem Fall wäre es allerdings auch gut, wenn man sich bei den Leuten dort schon vorher bei Tage bekannt gemacht hat. Wenn man dann nachts kommt, wissen sie, dass es sich um einen “harmlosen Sterngucker” handelt und machen sich keine weiteren Sorgen. Man sollte sich klar sein, dass Landwirte aufmerksam werden, wenn da jemand nachts ihre Feldwege befährt. Es könnte ja ein Dieb sein, der ihnen das Gemüse vom Feld klaut oder gar Haus- und Sperrmüll entsorgen will. Da gibt es auch so Irre und Halbstarke, die Kornkreise basteln, Stock-Car-Rennen veranstalten und im Hochsommer Brände entfesseln (wir wollten doch nur grillen!). Ein Gespräch schon im Vorfeld kann deshalb einen Konflikt verhindern. Für so manchen Amateurastronomen zählt das Beobachten des Sternhimmels allein in freier Natur zu den schönsten Erlebnissen. Leider kommen nur noch wenige Leute in diesen Genuss. Doch manchmal ist man gar nicht so allein, wie man glaubt. Das Geraschel von Mäusen, Igeln oder sonstigem Getier hat schon so manchem einen höllischen Schrecken eingejagt. In der Regel sind Tiere in freier Wildbahn harmlos. Etwas vorsichtiger sollte man allerdings bei Wildschweinen sein, vor allem wenn sie Junge haben. Übrigens, wenn man sein Autoradio einschaltet, hält das die Wildtiere fern. Es können aber noch andere Besucher ganz zufällig vorbeikommen: Spaziergänger, Soldaten bei ihrer Nachtübung, Kneipengänger auf Schleichwegen, Landwirte die nach dem Rechten schauen, Jäger auf der Pirsch usw. Wie sollte man sich verhalten, wenn sich eine Person oder mehrere nähern? Als erstes kann man zurufen, dass man bitte kein Licht anmachen sollte. Falls die Leute sich mit eingeschalteter Taschenlampe nähern, so bittet man, das Licht auszuschalten. Der andere wird sich dann in der Regel auch bemerkbar machen. Er wird fragen, was man denn da macht. Dann kann man zurückrufen, dass man gerade fotografiert oder durch ein Fernrohr guckt und deshalb Licht äußerst unerwünscht ist. Es kann sein, dass die Leute dann weiterziehen oder man miteinander ins Gespräch kommt (darf ich auch mal durchgucken?). Während dem Fotografieren ist das natürlich ziemlich lästig. Aus eigener Erfahrung haben die Leute das aber immer recht schnell verstanden und zogen dann wieder weiter.
So mancher zieht es vor, grundsätzlich nur in der Gruppe zu beobachten, schon aus Sicherheitsgründen. Oft versammeln sich die Leute schon bei Dämmerung, um die Geräte aufzubauen. Ist eine Siedlung in der Nähe, beobachten das möglicherweise auch andere Leute. Da ist es schon mal vorgekommen, dass verängstigte Bürger die Polizei alarmierten, da verdächtige Leute so seltsame Geräte aufbauen. Bekommt man tatsächlich Besuch von den Beamten, so sollte man auf jeden Fall freundlich und höflich auf deren Fragen antworten. Nach einiger Zeit wird der Sachverhalt geklärt sein und wenn sich herausgestellt hat, dass man keiner von den “bösen Buben” ist, kann es durchaus sein, dass sich die Beamten für das Fernrohr und die Astronomie zu interessieren beginnen. Man kann ihnen ja dann ein paar Paradeobjekte zeigen und dazu einen Kommentar abgeben. Manche Beobachter melden sich sogar telefonisch bei der Polizei, dass sie diese Nacht wieder am bestimmten Ort ihr Fernrohr aufgestellt haben und Beobachten. Bei einem möglichen Zwischenfall könnte in diesem Fall die Polizei per Handy schnell zu Hilfe geholt werden. Als weiteres wäre durchaus möglich, dass ein Jäger - meist sind diese auch bewaffnet - des Weges kommt. So mancher ist da überhaupt nicht begeistert, wenn jemand sich nachts in seinem Revier aufhält. Sie befürchten, dass dadurch das Wild verscheucht oder beunruhigt wird. Es ist auch bekannt, dass es zwischen Jägern und Amateurastronomen schon zu ziemlichen Auseinandersetzungen gekommen ist. Der Jagdaufseher übt sozusagen Polizeifunktionen aus und das kann sich in einem ziemlich militanten Auftreten äußern. Bei einer solchen Begegnung empfiehlt es sich, erst den ganzen Ärger an einem abregnen zu lassen und dann in aller Ruhe versuchen ins Gespräch zu kommen. Dann wird es sich ergeben, ob der Jäger erkennt, dass man kein Wild beunruhigt und auch sonst keinen Ärger macht. Ist der Jäger aber hartnäckig, so wird einem nichts anderes übrig bleiben, als den Platz zu verlassen. Es empfiehlt sich deshalb schon vorher, sich mit der Jagdbehörde in Verbindung zu setzen, ob man den Feldweg befahren darf und an dieser Stelle sein Teleskop aufbauen kann. Ein klärendes Gespräch kann viel Ärger vermeiden, zumal für das Befahren von Feldwegen oder des Waldes hohe Bußgelder verhängt werden können. Vielleicht kann man auch erreichen, dass einem eine Sondergenehmigung erteilt wird. Manche wollen jedoch ungern eine Genehmigung erteilen, da sie Angst haben, der Sterngucker könnte sich dort jeden Tag aufhalten. Wenn man aber abklärt, dass man eh nur selten dazu Gelegenheit hat und das Beobachten nur bei Neumond und klarem Himmel sich lohnt - also vielleicht ein oder zweimal im Monat - wird die Behörde leichter einwilligen.
Abschließend kann man also folgendes feststellen: Das Risiko eines Überfalls beim nächtlichen Beobachten ist also verhältnismäßig gering. Die Gefahr, dass ein Dieb in die eigene Wohnung einbricht, wenn sie z.B. während des Urlaubs verlassen ist, dürfte wohl um etliches höher sein. Wie man aber sieht, sollten bei der Wahl des Beobachtungsplatzes ein paar Kleinigkeiten beachtet werden, um sich keinen Ärger einzuhandeln.

Dieser Aufsatz wurde in der Zeitschrift VdS-Journal 18 (3/2005) abgedruckt.

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