Meine Edelstahl-Sonnenuhr

von Herbert Zellhuber

Als ich vor etlichen Jahren Schweden besuchte, sah ich des Öfteren in Gärten eine Sonnenuhr stehen (Bild links). Im Supermarkt hätte ich eine solche auch kaufen können, allerdings gefiel mir die Ausführung nicht so gut. Auch der Preis erschien mir etwas zu hoch. Deshalb wollte ich mir eine nach eigenen Ideen aus Edelstahl-Blechstreifen selbst bauen.

Sämtliche Edelstahlteile stammen wieder vom Schrott. Die Konstruktion hatte ich im Kopf und es bedurfte keiner Zeichnung. Der Durchmesser des Ziffernblattes mit 320 mm war durch die Länge des Blechs vorgegeben.

Bevor das Ziffernblatt gebogen werden konnte, mussten die 1,5 mm breiten römischen Ziffern eingraviert werden. Ich schliff mir deshalb auf meiner Universal-Werkzeugschleifmaschine einen Stichel aus Hartmetall. Mit der Fräsmaschine und der höchst möglichen Drehzahl ging das Gravieren recht gut. Allerdings war ich froh, die digitalen Messleisten zu haben.

Danach wurden der volle und halbe Ring per Hand gebogen und angeschweißt. Nachdem der Schattenstab angeschraubt war, wurde dieser mit einem Winkelmesser auf 47° 50' (der geographische Breitengrad meines Heimatortes Peißenberg) ausgerichtet um danach die Halterung anzufertigen. Die Sonnenuhr ist auf der Betonsäule an der Einfahrt aufgestellt. Allerdings kann die Zeit in den Wintermonaten nach Mittag nicht abgelesen werden, da die Sonnenuhr dann im Schatten des Hauses steht.

Grundsätzliches zu Sonnenuhren

Wenn die Sonne am höchsten steht, zeigt sie genau nach Süden. Eine Sonnenuhr ist so ausgerichtet, dass sie dann 12 Uhr anzeigt. Vergleicht man aber die Sonnenuhr mit der mitteleuropäischen Zeit (MEZ) wird man feststellen, dass die Zeiten nicht immer übereinstimmen. Warum ist das so?

1. Die Erde macht während der Umrundung der Sonne keinen Kreis, sondern eine Ellipse. Dem zu Folge ist auch die Umlaufgeschwindigkeit der Erde einmal schneller (in Sonnennähe) und dann wieder langsamer (in Sonnenferne). Durch diesen "ungleichmäßigen" Lauf der Erde um die Sonne kommt deshalb im Laufe des Jahres eine Abweichung bis zu 30 Minuten zustande.

2. Die MEZ wurde auf die "mittlere Sonne" auf 15° östlicher Länge festgelegt. Steht die Sonne dort am höchsten bzw. genau im Süden, so muss man auf 10° östlicher Länge noch 20 Minuten warten, bis dort die Sonne genau im Süden steht. Man könnte auch sagen, dass die Sonne in der Stunde (scheinbar) 15° zurücklegt.

Das Ausrichten des Schattenstabes

Der Schattenstab an einer Sonnenuhr muss parallel zur Erdachse ausgerichtet sein. Er zeigt dann ungefähr in die Richtung des Polarsterns. Der Winkel vom waagrechten Erdboden zum schrägen Schattenstab entspricht dem geographischen Breitengrad, in meinem Fall sind das 47° 50'. Das kann man mit einem Winkelmesser und einer Wasserwaage ausrichten.

Wenn die Sonne genau im Süden steht, muss der Schatten des Stabes auf die 12-Uhr-Markierung zeigen. Gleichzeitig fällt nun auch der Schatten einer Senklotschnur genau entlang des Schattenstabes, wenn man diese davor hält. Mit dieser Methode kann der Schattenstab ausgerichtet werden.

Den genauen Zeitpunkt, an dem die Sonne zu welchem Tag exakt im Süden steht, kann man aus Tabellen entnehmen, z.B. im Buch "Himmelsjahr" vom Cosmos-Verlag. Dort ist der Zeitpunkt der Kulmination für 15° östliche Länge angegeben. Für 11° brauchte ich nur noch 16 Minuten abziehen. Diese Werte habe ich in die Tabelle eingetragen:
 1.5.10.15.20.25.
Jan202124252728
Feb303030303029
Mrz282826252422
Apr201917161514
Mai131312121313
Jun141415161819
Jul202121222222
Aug222221201918
Sep1615131198
Okt64321-
Nov---123
Dez579111416
Will ich beispielsweise wissen, wann am 3. Juni die Sonne genau im Süden steht, brauche ich nur 1 Stunde (Sommerzeit!) und 14 Minuten zur MEZ aufrechnen, so erhalte ich 13.14 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt steht also die Sonne exakt im Süden.

Zum Bau einer Sonnenuhr ist also schon etwas astronomisches Grundwissen nötig.

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