Das Streulicht

von Herbert Zellhuber

Diese Handlung ist frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit irgendwelchen Personen wäre rein zufällig. "Ein 8-Zoll-Schmitt-Cassegrain ist doch ein ideales Fernrohr: parallaktisch montiert, genügend Öffnung, lange Brennweite, für Fotografie genauso geeignet wie für CCD, Binoansatz möglich..." "Und wo sind die Spiralarme von M101, M51, schwache Galaxienhaufen...?" unterbricht der Besitzer eines größeren Dobsons. "Die muss man eben fotografieren - CCD kann man sogar von der Stadt aus machen!" "Aber wenn ich sie durchs Okular sehen möchte?" Jemand mischt sich ein: "Ich verstehe nicht, weshalb ihr euch streitet, beide Teleskope haben doch ihre Berechtigung." Das Häuflein der Diskutierenden wird größer: "Also das mit den Riesenteleskopen oder den nach ein paar Jahren eh veralteten CCD-Kameras - das ist doch alles Quatsch! Ich mache seit mehr als fünfzehn Jahren Astronomie; mir genügt der gute alte Refraktor. Da sehe ich genug und fotografieren kann ich auch damit." Dann ein Herr mittleren Alters: "Also wenn man vernünftig Astronomie betreiben möchte, braucht man schon mehrere Fernrohre: zumindest ein Bino, einen mittleren Refraktor und ein größeres Newton." "Das Instrument sollte aber fest aufgebaut sein; beim Beobachten möchte ich ja nicht jedesmal einen Umzug machen. Ein großer Refraktor ist zwar nicht gerade billig, dafür hat man aber sein Lebtag Freude daran." meint ein Herr mit Krawatte. "Also für die paarmal im Jahr, wo bei uns ein anständiger Himmel ist, brauche ich doch keine Sternwarte für was weiß ich wieviel Geld. Auch nichts gegen einen Apochromaten, aber so ein Ding ist doch unbezahlbar! Ich kaufte mir ein Newton gleicher Öffnung, damit fahre ich aus der Stadt raus und habe auch meinen Spaß am Beobachten" meint ein jüngerer Bursche. Nicht dass die Diskussion nun langsam abflachte, nein, sie wurde erst richtig angeheizt, als jemand fragte, welches Fernrohr für ihn als Anfänger wohl das Beste wäre? "Also für den Anfang, da ist ein Feldstecher ideal. Den benutzt man auch noch nach Jahren." meinte einer. "Aber als Anfänger möchte man doch auch Planeten angucken und höher vergrößern - da ist ein preiswerter kleiner Newton schon besser." "Diese Wackelmontierungen kann man doch vergessen - alles rausgeschmissenes Geld! Lieber ein paar Mark mehr anlegen und einen anständig montierten..." "Für den Einstieg braucht man doch keine parallaktische Montierung, zumal man nicht vorhat zu fotografieren. Es ist besser, wenn man das Geld für einen guten Spiegel verwendet und sich ein Dobson selbst baut" war ein weiteres Argument. "Ein Fernrohr selbst zu bauen ist ja recht und gut, aber nicht jeder kann das - schon gar nicht ein Anfänger. Also ich würde ein 8-Zoll-Schmitt-Cassegrain empfehlen. Es ist doch ein ideales Fernrohr: parall..." Halt! - wollen wir hier unterbrechen...

Dieser Aufsatz wurde in der Zeitschrift Interstellarum 15 (Jan.99) abgedruckt.

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