
Der erste Spielautomat der Welt geht auf einen bayerischen Auswanderer zurück. Charles August Fey, 1862 in Vöhringen geboren, baute 1899 in San Francisco die Liberty Bell: drei Walzen, fünf Symbole, ein Hebel an der Seite. Wegen dieses Hebels und der geringen Gewinnchancen bekamen die Geräte später ihren berühmten Spitznamen: einarmiger Bandit.
Feys Konstruktion war so erfolgreich, dass sie jahrzehntelang kopiert wurde. Die Grundidee mit drei Walzen und einer Auszahlungstabelle blieb bis in die 1960er Jahre praktisch unverändert.
Die deutsche Spur: Rotamint und Merkur Disc
In Deutschland begann die große Zeit der Geldspielgeräte nach dem Krieg. Ab den 1950er Jahren stellten Hersteller wie NSM mit der Rotamint-Serie Geräte auf, die in Kneipen und Imbissen zum Alltag gehörten. In den 1980er Jahren folgte die Gauselmann-Gruppe mit der Merkur Disc, einem der erfolgreichsten Geldspielgeräte, das je in deutschen Spielhallen stand. Die lachende Merkur-Sonne wurde in dieser Zeit zum bekanntesten Markenzeichen der Branche.
Wer solche Geräte heute im Original sehen will, wird im Deutschen Automatenmuseum in Espelkamp fündig, das mehrere hundert historische Automaten aus über 100 Jahren Technikgeschichte zeigt.
Zwischen Verbot und Verordnung
Ganz reibungslos verlief die Geschichte allerdings nie. In den USA wurden Spielautomaten in vielen Bundesstaaten zeitweise komplett verboten, weshalb Hersteller auf Kaugummi- und Frucht-Symbole auswichen und die Geräte offiziell als Warenautomaten deklarierten. Daher stammen übrigens die Fruchtsymbole, die bis heute auf Walzen zu sehen sind. In Deutschland regelt seit 1953 die Spielverordnung, was Geldspielgeräte dürfen: Höchsteinsätze, Mindestspieldauer und Verlustgrenzen wurden seitdem immer wieder angepasst.
Der Sprung ins Netz
Mitte der 1990er Jahre tauchten die ersten Automatenspiele im Internet auf, technisch simpel und optisch nah an den Spielhallen-Vorbildern. Der eigentliche Wandel kam mit besseren Browsern und später mit dem Smartphone: Aus mechanischen Walzen wurden Animationen, aus einem Hebel wurde ein Touch-Button, und aus fünf Symbolen wurden komplette Themenwelten mit Freispielen, Multiplikatoren und Bonusrunden.
Interessant ist dabei, wie viel vom Original übrig geblieben ist. Auch der modernste Video-Slot arbeitet mit dem Prinzip, das Fey 1899 etabliert hat: Symbole fallen auf Positionen, Kombinationen entscheiden über den Gewinn. Welche Studios diese Tradition heute weiterführen und welche Softwareanbieter den Markt prägen, ist ein eigenes Kapitel.
Fazit: 125 Jahre, ein Prinzip
Von der Liberty Bell bis zum Megaways-Slot liegt eine erstaunlich gerade Linie. Die Technik hat sich mehrfach komplett erneuert, das Spielprinzip nicht. Genau diese Beständigkeit erklärt, warum Spielautomaten seit 125 Jahren funktionieren, egal ob mit Hebel, Taste oder Touchscreen.